Besatz schadet Königslachsen

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Forscher fanden heraus: Nachzucht lässt Lachs-Eier schrumpfen. Die Auswilderung von gezüchteten Königslachsen schadet möglicherweise mehr als sie nutzt.

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In Alaska und Kanada werden jährlich bis zu 550 Millionen Zucht-Lachse aus Fisch-Farmen ausgesetzt. Diese teuren Besatz-Maßnahmen sollen eigentlich die wilden Lachs-Bestände stützen und erhalten. Aber nach Ansicht von kanadischen Fischerei-Biologen bewirken die ausgesetzten Fische genau das Gegenteil: Zucht- und Wildfische paaren sich und die Lachs-Eier schrumpfen von Jahr zu Jahr.

Schwächlinge überleben in Zucht-Anlagen leichter

In der Zeitschrift „SCIENCE“ berichten die Wissenschaftler über Ihre besorgniserregende Entdeckung. Anfangs beobachteten die Forscher nur bei Zucht-Lachsen, dass die Eier jährlich kleiner wurden. Denn in der geschützten Umgebung der Fisch-Farmen pflanzen sich nicht nur die stärksten Lachse fort. Auch kleinere und schwächere Eltern-Tiere werden von den Züchtern abgestreift. Selbst Lachsen, die in freier Wildbahn kaum eine Überlebenschance hätten, wird so zu Nachwuchs verholfen. Auch können „Schwächlinge“ unter den Jungfischen unter den behüteten Bedingungen sehr viel leichter überleben und heranwachsen.

Auch Wildlachs-Eier schrumpfen

Jetzt beobachteten die Wissenschaftler auch in wilden Lachs-Beständen erste Veränderungen der Ei-Größe. In vier Flüssen, in denen in der Vergangenheit ständig Zucht-Lachse ausgesetzt wurden, verkleinerten sich die Eier bereits deutlich. Bis zu 43 Prozent der Lachs-Population stammte in diesen Flüssen bereits von Besatz-Fischen ab.

Der Königslachs (#KURSIV(Oncorhynchus tschawytscha)) ist die größte Art unter den Pazifik-Lachsen und bei amerikanischen Anglern sehr beliebt. Diese bis zu 20 Kilogramm schweren Fische bilden die Grundlage der Tourismus-Industrie in Alaska und im Norden Kanadas. Massive Besatz-Programme sollen immer mehr Angel-Touristen in die abgelegenen Regionen locken.

Lachs-Auswilderung in Deutschland

Auch in Deutschland wird der Atlantische Lachs (#KURSIV(Salmo salar)) in Gefangenschaft aufgezogen. Wild-Lachse aus Irland oder Deutschland werden abgestreift und die Jungfische in Gefangenschaft aufgepeppelt. Mit diesen Besatz-Fischen soll die vom Aussterben bedrohte Art wieder eingebürgert werden. Bisher verlief die Wiederansiedlung des Lachses in Deutschland sehr erfolgreich. Die Zucht und Auswilderung bedrohter Fisch-Arten könnte aber aufgrund dieser neuen Erkenntnisse problematischer sein als gedacht.

-tk-

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