ABC des Kunstköderangelns (6)

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Jan Eggers hat in den 1990er Jahren miterlebt, wie Jerkbaits europaweit ihren Ziegeszug angetreten haben. Hier ein schöner Polderhecht auf einen Salmo Fatso. Bilder: Jan Eggers

Jan Eggers berichtet, wie die ersten Jerkbaits nach Europa kamen und sich so ziemlich jeder Hechtangler eine harte, kurze Rute mit Multirolle zugelegt hat.

Im letzten Teil habe ich mehr oder weniger versprochen, dass ich in diesem Teil meiner Serie über die restlichen Kunstköder-Typen schreiben werde und damit die Serie abgeschlossen sein wird. Als ich meine Ankündigung wieder gelesen habe, bekam ich doch einen ziemlichen Schreck, denn das Versprechen ist eigentlich nicht einzuhalten, gibt es doch noch so viele verschiedene Arten von Kunstködern, über die ich jeweils einen informativen Artikel schreiben könnte.

Diesmal werde ich die Jerkbaits abhandeln. Danach kann ich sozusagen als Schlussakkord noch einen Artikel füllen mit Sachen wie Blinklern, Streamern, Jigs, Minipilkern, dazu noch andere, eher unbekannte Kunstköder. So ist mein Plan. Diesmal soll jedenfalls die Fischerei mit Jerkbaits im Mittelpunkt stehen.

Verschiedene kleine Jerkbaits für die Polderfischerei, teils Eigenbauten von niederländischen Hechtspezialisten.

Es gibt nichts Neues unter der Sonne

Viele Sportfischer meinen, dass Jerkbaits erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind und dass sie vielleicht vor 20 Jahren erfunden wurden. Verkehrt gedacht, es gibt sie schon seit dutzenden von Jahren, vor allem in den USA. Ich weiß noch gut, wo ich vor ungefähr 35 Jahren gewesen bin – wo bleibt nur die Zeit? Im April 1984 musste ich einen Vortrag über große Hechte auf dem Internationalen Musky Symposium in LaCrosse, Wisconsin, USA, halten. Dort gab es in einem Schwimmbad einige Vorführungen von professionellen Musky Guides zum Thema Jerkbaits.

Da stand ich dann staunend, als mehr als 30 cm lange Holzstücke mit 3 oder sogar 4 großen Drillingen mit einer kurzen Rute vom Typ „Besenstiel“ durchs Wasser geschlagen wurden. Auf der Rollen hatten die da bestimmt 60 Pfund tragende Geflochtene. Diese Angelmethode war meiner damaligen Meinung nach absolut nicht für die niederländischen Gewässer geeignet. Ich war nicht der einzige, der so dachte. Bertus Rozemeijer, der damals Geschäftsführer des frisch gegründeten niederländischen Hechtanglerclub SNB war, dachte seinerzeit ähnlich. Er machte auch nichts mit den Musky-Jerkbaits, die ich ihm zum Testen gegeben hatte. Das war uns allen viel zu grob und schwer. So kurze Ruten, massive Spinnstangen und dicke geflochtene Schnüre waren hier in Europa auch kaum zu kaufen.

Dieser kapitale Polderhecht konnte einem winzigen Salmo Slider nicht widerstehen.

Ich denke, dass es bei uns erst durch eine besondere Kombination von Faktorenzum Durchbruch des Jerkbaitangelns gekommen ist. Zu allererst war es sicher die Einführung der superstarken geflochtenen Schnüre, als Alternative zu gröberem Mono oder Dacron. Zudem kamen bei uns immer mehr Linkshand-Multirollen auf den Markt, darauf folgten kurze Baitcaster-Ruten, die mehr einer biegsamen Angel als einem steifen Besenstiel glichen. Hinzu kam noch, dass ganz viele Niederländer sehr gute eigene Jerkbaits anfertigten, die über die Angelgeschäfte hier erhältlich waren. Plötzlich hatten wir viel mehr Möglichkeiten, mit Jerkbaits zu fischen, verglichen mit dem Jahr 1984.

Am allerwichtigsten war natürlich, dass mit diesem Kunstköder auch sehr gute Fänge gemacht wurden. Als das geschah, wurde aus der Neuigkeit schnell ein Hype in der der Angelszene und jeder wollte damit fischen. Als Angeljournalist habe ich einen kleinen Vorteil, wenn es um gute Kontakte mit Trendsettern geht, die mit neuen Methoden erfolgreich sind. Schnell schickte man mir auch aus allen Ecken der Niederlande und aus Belgien Prototypen zum Testen zu. Ehrlich gesagt, fand ich die ersten Jerkbaits irgendwie zu groß und vor allem zu schwer für meine Polderangelei. Denn auch damals fischte ich immer noch am liebsten in den Poldergräben Westfrieslands.

Wirklich interessant fand ich zum Jerkbaitangeln zum Beispiel die kleinen „Flipper“ der englischen Firma Gordon Griffiths, die ich in die Hände bekam. Ich glaube, dass Ten Broek Angelsport in Krommenie bei Zaanstad diese Köder zu allererst im Sortiment hatte. Das waren wirklich schöne kleine Köder mit viel Aktion, aber mit einem richtigen Nachteil: Wenn man gut damit fing, gingen sie schnell kaputt, weil der Lack sehr schlecht war und abblätterte, sogar die Bleibeschwerung aus einem Loch herausschaute. Weil ich sehr gut damit fing, hatte ich schnell eine Zahl kaputter Jerkbaits, die ich zum Hersteller zurückschickte. Der war dann doch sehr froh, über die positiven und negativen Informationen. Der große Vorteil der kleinen Jerkbaits war, dass man sie mit einer leichten Baitcaster jerken konnte, ohne gleich einen Tennisarm oder Muskelkater zu bekommen. Auch haben sie nicht so riesige Haken und die Hechte werden nicht unnötig verletzt. Auch der Drill macht mehr Spaß und der Preis der kleinen Jerkbaits ist nicht so abschreckend, wie der von den Dingern mit 120 oder mehr Gramm.

Ich weiß noch, dass ich diese Flipper an Eddy te Mebel und seinem Angelkollegen Hein gezeigt habe. Als echte Tüftler haben beide Angelfreunde begonnen, selbst kleine Jerkbaits zu basteln. Der Jerkbait „Heiddy“ wurde geboren. Zum Glück kamen dann immer mehr nicht zu schwere Jerkbaits auf den Markt, mit den Jahren wurde die Auswahl immer größer. So hat es bei mir mehr oder weniger angefangen. Jetzt möchte ich aber etwas mehr über meine restliche Ausrüstung und meine Art des Angelns berichten.

Jan Eggers setzt beim Jerken auf eine steife Spinnstange.

Davon wird man bekloppt!

Jetzt werde ich erzählen, wie für mich die ideale Ausrüstung aussieht, um diesen Kunstköder möglichst fängig zu führen. Vorab noch eine Bemerkung. Jeder besitzt die Freiheit, mit der Rute, Rolle, Schnur und Vorfach seine Jerkbaits zu fischen, die er passend dafür findet. Ich werde hier nicht schreiben, dass ein Kunstköderangler, der eine normale Spinnrute verwendet, eine normale Stationärrolle und keine Multi, Nylon statt Geflochtener, es total verkehrt macht. Mit dieser Ausrüstung kann man auch Raubfische mit Jerkbaits fangen. Das sehe ich allzu oft, wenn ich mit Gastanglern in den Poldern unterwegs bin. Ich will hier nur berichten, wie meiner Meinung nach die perfekte Jerkbait-Ausrüstung aussieht, um damit am meisten Vergnügen beim Angeln zu haben. Für mich muss Angeln vor allem Spaß machen. Denn nur darum geht es, meiner Meinung nach ist das geradezu die Essenz unseres Hobbys.

Der Lauf der verschiedenen Jerkbaits, darüber später mehr, wird durch kleine Schläge mit der Rutenspitze erzeugt. Das geht natürlich mit einer straffen Rutenspitze und einer Schnur ohne Dehnung viel besser, als mit einer weichen Rute. Ich bevorzuge deshalb eher einer kurze Spinnrute, hier am liebsten eine Baitcasterrute, mit einer nicht zu weichen Spitze.

Meine Vorliebe für eine kurze Rute, so zwischen 180 und 210cm, kommt daher: Am einfachsten lässt sich ein Jerkbait führen, indem man die Rutenspitze nach unten hält. Mit einer langen Rute ist das vom Ufer aus und auch vom Boot kaum möglich. Ich bevorzuge eine solche Baitcaster-Rute zusammen mit einer Multirolle, weil es damit kaum zu Verwicklungen zwischen Köder und Vorfach kommt. Bei einer Multi zieht der Kunstköder im Wurf gleichmäßig und unter Zug Schnur von der Rolle. Der Köder fliegt so immer gerade und gestreckt, er hat keine Chance sich mit dem Vorfach zu verhaken. Beim Werfen mit einer gewöhnlichen Stationärrolle fliegt die Schnur ruckartig und in großen Klängen von der Spule. Schnur und Vorfach holt so in der Endphase des Wurfes den Kunstköder mehr oder weniger ein, verhakt sich damit. Das Resultat ist, dass man den ganzen Schlamassel wieder einholen und entwirren muss.

Jerkbaits lassen sich mit einer kurzen, steifen Baitcasterrute am besten führen.
Eine Multirolle mit kräftiger Geflochtener ergänzt die Gerätekombo perfekt.

Ich finde es auch sehr gut, dass ich bei einer Linkshand-Multirolle, bei der die Kurbel links an der auf der Rute sitzenden Rolle sitzt, mit nur einer Hand, genauer gesagt mit meiner rechten Hand, den Freilauf auslösen und werfen kann. Mit der üblichen Stationärrolle, meine alten Abu 505 und 506 Kapselrollen einmal ausgenommen, hat man immer eine zweite Hand nötig, um den Bügel zu öffnen. Bei den Ruten bevorzuge ich Baitcaster-Modelle mit speziellem Revolver-Griff für die Multirolle, sie liegen besonders gut in der Hand. Ich möchte allen die Angst vor Perücken bei der Angelei mit der Multirolle nehmen, die ganze Volksstämme von Anglern immer noch haben. Bei den modernen Multirollen ist diese Angst vollkommen unbegründet. Solange man darauf achtet, vor allem als Anfänger, den Freilauf der Spule nicht zu locker zu drehen, kann eigentlich nur wenig schief gehen. Die kleine runde Schraube an der Seite der Multirolle, die nur einen Zentimeter hervorsteht, direkt neben der Kurbel – damit meine ich nicht das Sternrad, mit der die Bremse justiert wird – ist sehr wichtig, um Perücken vorzubeugen.

Als Anfänger im Werfen mit der Multi muss diese Schraube so weit zugedreht werden, dass der Köder, wenn er unter der Spitze taumelt, ganz langsam bei gedrücktem Freilauf nach unten sinkt. Er erscheint so, als würde die Schnur nicht ganz freigegeben, aber das ist richtig so, nun kann man problemlos damit werfen. Immer muss während des Wurfs der Daumen der rechten Hand dicht über der drehenden Spule gehalten werden, so kann man jederzeit bremsend und korrigierend eingreifen.

Später, wenn der Wurfvorgang komplett verinnerlicht wurde, kann der Freilauf der Spule etwas lockerer gedreht werden, so lässt sich etwas weiter werfen. Aber glaubt mir, weite Würfe sind beim Angeln mit Jerkbaits nicht notwendig, denn die Aktion des Köders wird in größerer Entfernung immer schlechter. Ich bevorzuge kurze, gute platzierte Würfe, bei denen man den Jerkbait beim Jerken immer sehen kann. Man sieht so nicht nur, ob der Jerkbait richtig geführt wird, auch der Biss ist unübersehbar. Glaubt mir, viele Angler sehen oft den kleinen Schwall nicht, den eine Hecht oder Zander erzeugt, der den hin und her schießenden Kunstköder verpasst hat. Fehlbisse sind bei der unvorhersehbaren Aktion der Jerkbaits unvermeidlich und geben dieser Angelei einen besonderen Charme. Beim Jerken verwende ich eine massive Spinnstange aus Stahl. Dadurch wird das Rucken der Rutenspitze direkt auf den Köder übertragen. Sie ist mit der Hauptschnur mit einem Spiralverschluss (Springlock) verbunden, der öffnet sich nicht so leicht wie ein Karabiner und der Verlust von Jerkbaits ist minimal. Genug über die Ausrüstung, jetzt gehen wir angeln!

Verschiedene Glider in schwimmenden und langsam sinkenden Varianten.

Gleiter, Taucher und Zwischenformen

Eigentlich hätte ich obenstehenden Zwischentitel auf Englisch schreiben müssen, dann hätte da was von Glider, Pullbait oder Diver gestanden. Ich vermute, dass die Jerkbait-Fanatiker unter den Lesern dann auch gewusst hätten, wovon dieser Abschnitt handelt. Aber weil wir meiner Meinung nach viel zu viele ausländische Begriffe in der modernen Kunstköderangelei gebrauchen, nehme ich lieber Übersetzungen.

Die Namen der Köder verraten den Lauf der Köder. Ein Gleiter (Glider) schießt zickzack wie ein Eisläufer nach links und dann nach rechts. Ein Taucher oder Säger (Diver) taucht bei jeder Bewegung der Rutenspitze ab und danach wieder auf, so macht er eine Sägezahn-Bewegung. Und dann gibt es noch Zwischenformen, die ein bisschen gleiten und tauchen.

Als weitere Eigenschaft wäre dann noch zu nennen, ob der Jerkbait schwimmt, sinkt oder im Wasser schwebt, letztere werden „Suspender“ genannt. Die riesige Auswahl bei den Jerkbaits macht es vor allem Anfängern nicht gerade einfach, im Angelladen die passenden Köder zu finden. Diesen armen Anglern möchte ich gerne helfen, mit dem Hinweis, dass frischgebackene Jerkbaitangler am besten mit einem langsam sinkenden Glider beginnen sollten. Früher habe ich da gerne die Flipper von Gordon Griffith empfohlen, danach den Slider von Salmo. Vor allem die Ausführung in 12 cm Länge, aber auch die kleineren Modelle in 10 und 7 cm. Damals, als die kleineren Varianten des Salmo Sliders auf der EFTTEX vorgestellt wurden, bekam ich ein paar Köder zum Testen. Sie sind Fänger der allerersten Güte! In drei Monaten fing ich damit mehr als 70 Hechte und auch zwei Zander. Man hatte die Auswahl aus sieben verschiedenen Farbkombinationen, alle fangen immer noch sehr gut.

Dann gibt es natürlich auch noch handgebaute Jerkbaits, etwa den Tukker von Eric de Lange, den Heiddy von Hein & Eddy, Robbaits von Rob Kraayeveld, verschiedene Glider von Andre Koehoorn und Marco Dol sowie die vielen Kreationen von Cees van Straaten. Nun habe ich sicher einige Namen vergessen, man nehme mir das nicht über, dieser Artikel erhebt nicht den Anspruch, ein Jerkbait-Katalog zu sein.

Als gut fangende Beispiele für tauchende „Säger“ will ich drei Jerkbaits nennen, mit denen ich selbst gut gefangen habe. Zu allererst nenne ich, weil er die älteste Rechte hat und mindestens ein halbes Jahrhundert viele Angler glücklich macht, den Suick Thriller. Im Grunde ist dieser Köder eine Dachlatte mit Drillingen, die am hinteren Ende eine kleine Blechschaufel besitzt, mit der sich die Tauchtiefe eintsellen lässt. Was die Hechte, kleine und große, in diesem einfachen Kunstköder sehen, ist mir ein Rätsel, trotzdem fangen sie gut!

Seit ein paar Angeltagen mit zweistelligen Ergebnissen, also mehr als zehn Hechten, die mir in den Niederlanden der Salmo Jack in 18 cm beschert hat, gehört dieser Köder auch zu meinen Favoriten. Dass ich ihn seltener einsetze, als die früher gerannten Glider, hat mehr mit meinem schmerzhaften Tennisarm zu tun. Ganz ehrlich, man muss die Aktion ganz gehörig in diesen Jack prügeln, das benötigt Muskelkraft und macht meinem rechten Arm Probleme. Man kann sogar von einer Art Berufskrankheit sprechen. Ich kann aber nicht davon lassen und muss weiter fischen. Als letztes Modell nenne ich die Jerkbaits, die Arjan Willemsen gebaut hat, und die den ungewöhnlichen Namen „Halve Liter“ (Halber Liter) tragen. Wen stört der ungewöhnliche Name, solange dieser Diver gut fängt? Jetzt erzähle ich aber nichts über die ganzen Zwischenformen, habe ich doch alle Mühe, dass dieser Artikel nicht den zugestandenen Rahmen sprengt. Schnell zum wichtigsten Teil: Wie fischt man diese Jerkbaits?

Auch dieser Esox fand Gefallen an einem winzigen Salmo Slider. Bei angetrübtem Wasser ist in den Poldern das Dekor Firetiger besonders angesagt.

Nichts muss, alles kann

Ich weiß noch gut als ich früher – ich meine die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – mit einem Taschenbuch der niederländischen Angelautoren-Legende Jan Schreiner in der Westentasche, ich denke da an Titel wie “Haken en Ogen” (Haken und Augen), “Vastslaan en Strakhouden” (Anschlagen und Strammhalten) und “Aan de haak geslagen” (An den Haken gegangen), mit der Spinnrute in den Poldern unterwegs war. Hin und wieder spickte ich in die Kapitel über Kunstköderangeln, um noch einmal zu lesen, welche Varianten der Köderführung der Maestro empfohlen hatte. Einer der wichtigsten Hinweise, an den ich mich von damals erinnern kann und den ich noch immer in der Praxis umsetze: Immer die Einholgeschwindigkeit variieren. Ein gesunder Beutefisch schwimmt ja auch nicht immer in der gleichen Geschwindigkeit. Darum ist dieser gute Rat auch heute immer noch sehr aktuell und ich will noch eine weiteren wichtige Weisheit hinzufügen: „Wer fängt, hat Recht!“ Was meine ich damit: Man kann bei der Köderführung nicht genug variieren. Es gibt keine feste Regel, die besagt, dass man einen Kunstköder auf nur eine bestimmte Art führen muss.

Wenn ich gute Kunstköderangler zum Angeln in den Poldern treffe, bemerke ich immer, dass es vor allem bei der Köderführung von Jerkbaits riesige Unterschiede gibt. Der eine macht kurze Schläge, der andere lange Züge, der Dritte wiederum kurbeln nur sehr langsam ein, der Vierte holt den Köder in Rekordzeit ein und macht nur hin und wieder einen kurzen Ruck. Große Unterschiede, die aber meistens das gleiche Endresultat bringen: Alle fangen ihre Fische!

Ich persönlich kitzele gerne mit einem sinkenden Jerkbait die Hechte aus einem Quadratmeter heraus. Vor allem, wenn ich dort einen Biss verpasst habe. Ich weiß dann genau, dass an der Stelle ein Hecht steht. Funktioniert auch in tiefen Löchern vor Durchlässen oder neben Krautbänken. Man kann diese Art der Angelei auch als eine Form des Vertikalangelns bezeichnen. Die einen Angler fischen ihren Jerkbait ausschließlich an der Oberfläche, die anderen Angler zupfen ihn mit kleinen, kurzen Schlägen aus der Tiefe hoch. Alle fangen sie ihre Fische, man kann nicht sagen, wer es besser macht.

Ganz verrückt wird es, wenn mit schwimmenden Jerkbaits gefischt wird und man mit Erstaunen sieht, wie sich ein Hecht an einem Köder vergreift, der unbewegt an der Wasseroberfläche schwimmt. Ja, wer fängt, hat Recht! Gerade die Verschiedenartigkeit der Köderführung macht das Fischen mit Jerkbaits zu einer der schönsten Arten des Kunstköderangelns. Das liegt sicher auch am visuellen Aspekt dieser Methode, vor allem in flachen Poldergewässern, wenn sich ein Hecht an der Oberfläche auf den Jerkbaits stürzt.

Zugegeben, weil dieser Köder nicht in einer geraden Bahn läuft, kriegt man mehr Fehlbisse, aber was macht das schon aus? Ich habe mehr Freude am Fang eines Hechtes, der vorher ein paar Mal meinen Köder attackiert hat, der dann aber doch noch auf meinen Köder hereinfällt, weil ich Kunstgriffe wie Köderwechsel, Variieren der Einholgeschwindigkeit oder einer halben Stunde Angelpause angewendet habe. Ich bilde mir dann ein, dass ich schlauer war als der Fisch. Nun gut, das sind persönliche Gefühle. Andere Angler ärgern sich vielleicht, wenn sie einen schönen Hecht nach ein paar Fehlbissen nicht fangen. Ich freue mich eher, wenn ich es auf einen Meterhecht, den ich schon zwei Mal verpasst habe, noch einmal probieren kann, um ihn endlich vor die Kamera zu kriegen.

Zum Schluss des Artikels noch schnell ein paar praktische Tipps für Anfänger im Jerkbaitfischen. Am besten trainiert man sich einen bestimmten Rhythmus von Schlägen mit der Rutenspitze und Kurbelumdrehungen der Rolle an. Ich sehe oft, dass die Koordination beider Bewegungen gerade Neulingen schwer fällt.

Auf die Rolle gehört unbedingt eine etwas dickere Schnur. Warum? Durch Zugtests in einem gut ausgerüsteten Labor hat man nachgewiesen, dass beim Fischen mit Jerkbaits die ersten Meter der Schnur viel stärker belastet werden und schneller an Tragkraft verlieren, als beim Angeln mit Wobblern, Spinnern oder Blinkern. Ich verwende immer Geflochtene mit einem Durchmesser von um die 0,28mm. Nach ein paar Angeltagen überprüfe ich regelmäßig die ersten Meter der Schnur und schneide gegebenenfalls etwas ab.

Wenn ich mit etwas größeren Jerkbaits fische, dann sind die ab Werk ausgerüstet mit sehr großen Haken. Am Fatso, Warrior und Jack von Salmo hängen Drillinge der Größe 4/0. Mit solchen Riesenkrampen lässt sich im Maul der Hechte so einiges an Schaden anrichten, vor allem bei kleineren Fischen. Das gefällt mir gar nicht. Deshalb ersetze ich die großen Haken durch kleinere und dünndrahtigere Drillinge wie den Gamakatsu Treble 13, bei denen ich dann zusätzlich die Widerhaken andrücke. Ich habe noch nicht bemerkt, dass ich dadurch weniger fange. Wichtig ist, dass im Drill die Schnur stets unter Spannung gehalten wird. Gute Angler, machen das aber immer automatisch.

Euer Jan Eggers

Dieser Salmo Fatso ist bei den Hechten besonders beliebt. Weil er so zerbissen ist, fängt er besonders gut.
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