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Raubfischangeln in den Niederlanden

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Unser Nachbarland hat angeltechnisch einiges zu bieten. Das gilt auch für Uferangler, wie unser Autor Clemens Strehl bei seinem letzten kurzfristigen Angelausflug in den Niederlanden feststellen konnte.

 

Bild: Clemens Strehl
Unverhoffter Fang in seichtem Wasser. Clemens Strehl mit schönem Kanalhecht aus den Niederlanden. Bild: Clemens Strehl
Lesen Sie hier seine Eindrücke:

Kleiner Kanal – großer Fisch

Der Twister fliegt quer über den Einlauf und platscht kurz vor den Brückenpfeilern ins Wasser. Das Wasser ist hier nicht tief, bald schlägt der Bleikopf am Grund auf. Beim Einkurbeln, knapp über den Wasserpflanzen am Uferrand passiert es: Biss! Anhieb, der Fisch hängt. Sofort zeigt sich, das ist kein kleiner. Der Fisch zieht jetzt ab. Die leichte 27-Gramm-Spinnrute biegt sich durch.

 
Ich muss Schnur geben. Der Räuber am anderen Ende der Leine droht unter die Brückenpfeiler zu schwimmen. Ich erhöhe den Druck und dirigiere ihn behutsam zurück ins freie Wasser vor der Brücke. Jetzt zieht der Fisch Kreise. Immer wieder zieht er ab, doch bald darauf gewinne ich die Schnur zurück. Dummerweise schwimmt er jetzt direkt ins Schilf am Ufer rechts von mir. Mit weit ausgestrecktem Arm versuche ich zu verhindern, dass sich die Schnur samt Fisch festsetzt. Es gelingt! Jetzt sehe ich ihn zum ersten Mal. Im trüben Wasser des Kanals taucht ein breiter, grünlich schimmernder Rücken auf. Hecht! Mein Adrenalinspiegel macht einen Sprung nach oben. Denn der Fisch ist nicht klein. Jetzt geht das Spiel weiter: Der Esox zieht ab. Ich gewähre im kontrolliert Schnur, immer darauf bedacht, einerseits die Spannung zu halten und andererseits ein Ausschlitzen des kleinen Hakens oder Reißen des Vorfachs durch zu viel Druck zu vermeiden. Mühsam gewinne ich Schnur zurück. Die Kreise werden kleiner. Schließlich rutscht der Fischkörper über den Kescherrand. Geschafft! Überglücklich hebe ich den tollen Fang aus dem Wasser. Dabei sehe ich, dass der kleine Twisterhaken schon ausgeschlitzt ist.

Raubfische überall

Die Niederlande sind wirklich ein lohnenswertes Ziel für den Raubfischangler: ob Kanalbarsche an feiner Spinnrute, Zander aus den Flüssen wie Ijssel, Waal, Maas und Co. oder Hechte aus den unzähligen Poldern oder Naturseen. Wer es vom Ufer aus versuchen möchte, der kann mit leichtem Gerät eine extrem kurzweilige Angelei genießen. Das lohnt sich auch während eines Familienurlaubs für ein paar Stunden. Denn in Holland ist das nächste Gewässer häufig nicht weit vom Urlaubsort entfernt. Ein Blick in den Angelführer mit allen befischbaren Gewässern in den Niederlanden, den jeder Hollandangler beim Kauf der Angelpapiere ausgehändigt bekommt, sowie eine kurze Internetrecherche reichen oft schon aus, um ein Angelziel in Urlaubsortnähe zu finden. Der Angelschein für beinahe unzählige niederländische Gewässer gilt übrigens für ein ganzes Jahr und ist für unter 50 Euro zu haben.

 

 

Bild: Clemens Strehl
Der Zander – Zielfisch vieler Hollandangler. Bild: Clemens Strehl

Wenig Gepäck – viel Strecke

Als mobiler Uferspinnfischer brauchen sie nicht viel Angelgerät. So können Sie auch bequemer viel Strecke am Ufer machen. Kanäle und Entwässerungsgräben bieten sich an, weil diese häufig einfacher zugänglich sind als große Seen und mäandrierende Flüsse mit reichlich Uferbewuchs.  Auf der sicheren Seite sind Sie mit einer Spinnrute bis rund 20 Gramm und einer bis etwa 50 Gramm Wurfgewicht. Damit decken Sie die meisten Angelsituationen ab; dazu ein Rucksack mit einer Auswahl an Barsch-, Zander- und Hechtködern. Wer es ganz einfach mag, nimmt eine Auswahl an Twistern und Gummifischen mit Bleiköpfen zwischen 5 und 30 Gramm mit. Für die Farb- und Modellauswahl sollte nicht zu viel Zeit aufgewendet werden. Fängige Farben gilt es am neuen Gewässer sowieso auszutesten. Im Zweifelsfalle sind jene Köder, mit denen Sie schon an anderen Gewässern gefangen haben, die erste Wahl. Wesentlich ist schließlich das Vertrauen in den geführten Kunstköder. Früher oder später fängt dieser dann auch am neuen Gewässer.

Der gute alte Kescher muss mit

Wichtiges Hilfsutensil für den Uferangler an Kanälen ist der gute alte Kescher. So toll eine Handlandung auch sein mag, sie nützt herzlich wenig, wenn sie von der Betonwand, der Spundwand oder sonstigen Gewässerbegrenzungen nicht an ihren Fang herankommen. Auch meinen Kanal-Hecht durfte ich dank Landehilfe bestaunen und kurz darauf in seine Freiheit zurücklassen. Denn das ist für Hechte in Holland Vorschrift! Aber vielleicht beißt bei mir ja bald auch einer meiner Zielfische vom Ufer: Zander und Barsch. In den Niederlanden kann bekanntlich auch bei diesen Fischarten jederzeit mit kapitalen Exemplaren gerechnet werden. Es bleibt spannend. Vielleicht auch für Sie? Ob vom Ufer oder vom Boot: Viel Spaß und Petri Heil bei Ihrem nächsten Angelausflug in den Niederlanden wünscht,

Clemens Strehl
Infos zum Angeln in den Niederlanden z.B. unter: www.angeln-in-den-niederlanden.de
 

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