Der Ebro

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Wird der Ebro-Stausee in Anglerkreisen lediglich hochgejubelt, oder hält er tatsächlich, was die zahllosen Geschichten verheißen

Von Gerd Koch

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Frischer Ebro- FAng
Sorgen am Ebro für Furore: Waller, Schwarzbarsch, Zander.

Zum Ende des Jahrhunderts wollte ich mir etwas Besonderes gönnen und beschloss, eines der sagenumwobensten Angelreviere Europas zu besuchen: den Stausee des Rio Ebro in Spanien. Ein Gewässer, dass mit spektakulären Wels-, Zander- und Schwarzbarschfängen regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Mich interessierte, wie der Ebro den jahrelangen Angeltourismus überstanden hat und was dran ist an den Mordsfängen.

Anfang September 1999 brach ich zusammen mit einem Kollegen zum Ebro auf. Der Stausee erstreckt sich über 30 km Länge von der Staumauer Riba Roja bis zur Staumauer in Mequinenza. Dazu kommt – auf 7 km Länge – der Rio Matarrana.

Neben den eigentlichen Zielfischen Wels, Zander und Schwarzbarsch schwimmen dort noch Aale, sehr selten Hechte sowie Forellen. Die Salmoniden dürfen allerdings noch nicht beangelt werden.

Premiere-Biss und Abriss

Am 1. Angeltag erkundeten wir das Gewässer und testeten das Schleppfischen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Kurz bevor wir die versunkene Kirchenruine von Fayon erreichten, kam der Premiere-Biss auf einen 40-cm-Wobbler. Doch leider ging der Fisch nach kurzem Drill in den unter Wasser „lauernden“ Olivenbäumen verloren. Nach dem harten Kontakt zu urteilen, war es ein starker Waller.

Danach frischte der Wind auf, und wir setzten uns zum windgeschützten Rio Matarrana ab. Nach einem Kilometer Schleppfahrt flussauf folgte der nächste Biss: Wieder ein Wels. Und das gleiche Spiel: Nach kurzem Drill ließ der Waller den Wobbler sausen – war wohl nicht seine Marke.

Beim Begutachten des Kunstköders stellte ich fest, dass er regelrecht abgebeizt und der Schwanzdrilling aufgebogen war. Kurz entschlossen rüstete ich auf einen Mann’s Wobbler um, der einige kleine Schwarzbarsche und einen maßigen Zander brachte. Auf der Rückfahrt ins Camp wurden wir noch Zeuge beim Drill und der Landung eines 68-Pfund-Wallers. Der hatte auf einen lebenden Wildkarpfen an der Bojenmontage gebissen.

Neues Spiel, neues Glück

Für den 2. Angeltag nahmen wir uns vor, ebenfalls mit der Bojenmontage zu fischen. 4 Ruten kamen zum Einsatz: davon 2 Wels-Montagen, bestückt mit 3-pfündigen Wildkarpfen, und 2 Lauben an der Grundangel für Zander.

Bis zum frühen Abend überlisteten wir einen Waller von 56 Pfund und mehrere gute Zander – neben einigen verlorenen Fischen, die sich im Drill an Unterwasserhindernissen festgesetzt hatten. Beim Beißverhalten der beiden Raubfisch-Arten zeigten sich Auffälligkeiten, die in den nächsten Tagen zur Gewissheit wurden: Während am Ebro mit Wels-Attacken jederzeit zu rechnen ist, packen die Zander nur tagsüber – zwar unregelmäßig, dann aber in kurzer Folge zu. Das liegt am Zugverhalten der Stachelritter, die in großen Schwärmen am Ufer entlang patroullieren.

Fun mit Wels, Zander und Schwarzbarsch

Ähnlich erfolgreich ging es in den nächsten Tagen weiter. Wir erlebten aufregende Drills, sammelten eine Menge Erfahrungen und hatten reichlich Fun! – Kurios: Ein Wels pflückte sich beim Schleppen mein Scherbrett von der Wasseroberfläche. Landen konnten wir ihn freilich nicht.

An Wallern erbeuteten wir 8 Exemplare zwischen 1,30 m und 2 m sowie einen 90-Pfund-Fisch, der die magische 2-m-Marke um 4 cm übertraf. Die Ausbeute an Zandern war enorm, darunter viele kleine, aber maßige, jedoch auch Exemplare zwischen 5 und 10 Pfund sowie der Spitzenreiter mit 12 Pfund. Ich bin fest davon überzeugt, dass 20-Pfund-Kammschupper im Ebro-Stausee schwimmen.

Schwarzbarsche überlisteten wir ebenfalls – sowohl beim Wurf- als auch beim Schleppangeln. Meist maßen die herzhaften Kämpfer um die 30 cm. Für die sind übrigens auch Flusskrebse in den Häutungsphasen Top-Köder. Die Schalentiere kommen in vielen Bereichen des Stausees vor und lassen sich am besten mit einer Reuse fangen.

Waller-Vergleich Spanien-Deutschland

Hat sich die Reise an den Ebro nun gelohnt, sind die fantastischen Fangberichte glaubhaft? Nach unserer Spanientour ist meine Antwort ein klares „Ja“.

Außerdem: Im Vergleich zu den Wels-Angelmöglichkeiten in Deutschland haben es die Spanier besser. Vor allem, weil unsere Gesetzgebung elementare Voraussetzungen für effektives Welsangeln verbietet bzw. erschwert.

Die Liste ist lang:

  • Verbot des lebenden Köderfisches;
  • Hälterungsverbote für Köfis;
  • Echolot teilweise nicht erlaubt;
  • Härtere Auflagen für Gastangler gegenüber Vereinsmitgliedern;
  • Vereinsinterne Gewässerauflagen.

All dies hat zur Folge, dass nur noch ausgebuffte, und vor allem gewässerkundige Experten regelmäßig Welse fangen. Bitter, wenn man bedenkt, dass auch in Gewässern wie Rhein, Main, Neckar, Donau, Regen, Naab, Oder und Saar sowie in einigen Baggerseen Mordsfische schwimmen.

Ein weiterer Vorteil, der für Spanien spricht: das professionelle Guiding vor Ort, sofern man wie ich bei einem Reiseveranstalter bucht. Die Angelführer von Andrees Angelreisen geben kostbare Tipps, die direkt und ohne Zeitverlust zum Wels führen.

Aber ohne Fleiß kein Preis! Nur fester Wille, Einsatz und Ausdauer werden belohnt. Dann aber zählt der Ebro zu den besten Angelgewässern Europas. Zu-

mal auch die Zukunft – trotz des enormen Angeldrucks – realistische Wels-Fangmöglichkeiten zu bieten scheint. Die durchdachten Besatzmaßnahmen, vernünftige Schonmaße und Entnahmemengen, das Einhalten des Catch & Release (Fangen und Zurücksetzen) sowie die gute Wasserqualität verheißen Gutes – für Waller und Angler.

METHODEN Spinn- und Ansitzangeln auf Wels. Spinnfischen auf Zander und Schwarzbarsch.

GERÄT Wels/Bojenmontage: YAD Rute Granada Big Fish, 3,20 m, 100-300 g Wurfgewicht (WG); schwere Stationär- oder Multirolle mit 150-200 m 0,50er-0,60er Schnurfassung; geflochtene Schnur mit ca. 50 kg Tragkraft (z.B. Stroft GTP Typ 12). Wels/Wallerholz bzw. Schleppen: das gleiche Gerät, aber kürzere Ruten um 2,50 m. Zander, Schwarzbarsch/Spinnfischen: Spinnruten mit 20-

40 g WG, 3,00 m (z.B. YAD Michigan Spin 302); Stationärrolle mit 150 m 0,28er Schnurfassung.

KÖDER Köderfische: die massenhaft vorkommenden Karpfen für Waller und Lauben – fangen übrigens auch, am Drachkovitch-System montiert, exzellent – für Zander. Wobbler (z.B. Turus Ukko), Popper, Spinner und „Gummi“ je nach Zielfisch zum Wurfspinnen- und Schleppangeln.

EXTRA-TIPP Wie wahnsinnig habe ich mit

den neuen Castaic-Softbaits vom Fachversand Stollenwerk (Tel. 0711/3702273) gefangen. Und nicht nur Zander und Schwarzbarsch, sondern auch Wels.

INFORMATIONEN Gerd Koch buchte seine Ebro-Tour über Andree’s Angelreisen, Quellenweg 7, 65527 Niedernhausen, Tel. 06127/8011, Fax 06127/7678. Ein renommierter Angelreiseveranstalter, der für alles sorgt: Unterkunft, Boote, Guiding, Angel-Lizenz.

Daneben berät Sie gern Autor Gerd Koch: Tel. 05633/1759.Foto: Gerd Koch

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