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Der Hechtpapst öffnet sein Archiv, Teil 11

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Diesmal beschäftigt sich Hecht-Papst Jan Eggers mit der Färbung der Hechte. Denn nicht alle sind nur grün-gelb gefärbt.

 

Bild: Jan Eggers
Ray Beck, mit einem „silver pike“, den Jan Eggers am Großen Sklavensee fangen konnte. Bild: Jan Eggers
Im 9. Teil meiner Serie hatte ich ein Foto von einem sogenannten “silver pike” (Silberhecht) gezeigt, der kurz hintereinander auf zwei Blinker gebissen hatte. Diesmal werden wir uns näher mit der Färbung und Zeichnung der Hechte beschäftigen.
 
Von amerikanischen Biologen hatte ich einmal erfahren, dass es sich hierbei um Mutationen handelt. Es sind Hechte, bei denen sich das Erbgut, die DNA verändert hat. Silberhechte haben eine Grundfärbung, die in Richtung eines metallischen Blau variiert, man nennt sie auch “blue pike” (blaue Hechte), manchmal schillern sie auch grün oder sind richtig silbrig. Zudem fehlen diesen Hechten die typischen gelben Flecken und Streifen der Hechte.
 

 

Bild: Jan Eggers
Ohne gelbe Flecken und Streifen: Die typische Färbung eines „Silberhechtes“. Bild: Jan Eggers

An das metallische Schimmern des genannten Hechtes kann ich mich noch gut erinnern. Er wurde auf einem meiner ersten Trips zum Großen Sklavensee/Taltson River gefangen. Ich erinnere mich aber viel deutlicher an die enorme Zahl der Meterhechte, die ich fing, als an deren ungewöhnliches Aussehen. Das Aha-Erlebnis kam eigentlich erst später, beim Betrachten der zahlreichen Dias aus meinem Hechtangel-Urlaub. Ich werde mir übrigens gleich noch eine ganze Menge Fotos anschauen, denn ich muss irgendwo noch ein Bild von einem “silver pike” aus den Niederlanden haben, auf jeden Fall ein Hecht mit einer sehr metallischen Beschuppung. Ich hoffe, dass ich es noch finde…

 

 

Bild: Jan Eggers
Jan Eggers mit einem blinden 122-Zentimeter-Hecht, der leider aufgrund seines Handicaps ziemlich abgemagert und hässlich war. Bild: Jan Eggers

Blind bedeutet schwarz

Ich habe das gesuchte Foto noch nicht gefunden. Beim Stöbern fielen mir aber eine ganze Menge Bilder entgegen, die ich in diesem Beitrag gut gebrauchen kann. Ich werde sie im Folgenden der Reihe nach vorstellen.

 
Wir beginnen mit der Farbe Schwarz. Im ersten Teil dieser Serie habe ich einen sehr dunklen Hecht aus einem Torfstich präsentiert, der aber fällt nicht in die Kategorie der richtig schwarzen Hechte. Nein, die wirklichen Vertreter dieser Gruppe, die ich hier zeigen werde, haben ein gemeinsames Problem: Sie sind blind! Zusätzlich haben sie noch ein weiteres Handicap: Sie sind in sehr schlechter Kondition und haben ein im Vergleich zur Länge viel zu geringes Gewicht.
 

 

Bild: Jan Eggers
Hungerhaken: Der früher noch mancherorts übliche Augengriff führt zum Erblinden der Hechte, die dann nur noch schlecht Nahrung finden. Bild: Jan Eggers

Meinen allerersten blinden schwarzen Hecht fing ich auf meinem ersten Trip nach Kanada. Ich war auf der Durchreise von der AFTMA-Messe in Dallas zur Redaktion der Zeitschrift “The In-Fisherman” in Brainerd, Minnesota, dann wollte ich den Hecht-Fanatiker Bill Tenney in Minneapolis besuchen. Danach hatte ich vor, mit den Redakteuren der Zeitschrift, dessen Europa-Korrespondent ich war, auf Muskies zu fischen.

Ich hatte Bill geholfen, seinen ersten 30-Pfünder in den Schärengärten bei Trosa (Schweden) zu fangen. Als Dank für meine Hilfe schenke er mir Flugtickets zur Little Churchill Lodge in Manitoba. Er hatte meine Frau und die Redaktion davon informiert und schon einen Tag später flogen wir nach Kanada.
 

 

Bild: Jan Eggers
Dieser Hecht ist aufgrund seiner Erblindung ziemlich schwarz-grün gefärbt: Bild: Jan Eggers
Schon ein paar Stunden später gewann Bill den ersten Dollar, weil er mit dem ersten Wurf gleich den ersten Hecht fing. Am zweiten Tag fing ich einen sehr mageren schwarzen Hecht von ungefähr 70 Zentimetern Länge und Bill erklärte mir, dass dieser blind sei. Er hatte schon selbst einige solcher Fische gefangen und eine plausible Erklärung dafür, warum hier regelmäßig blinde Hechte an den Haken gingen. Die indianischen Guides landeten die Hechte stets mit dem Augengriff. Wieder zurück im Wasser überlebten die Fische, sie hatten aber nun ein Handicap beim Ausmachen ihrer Beutefische.
 

 

Bild: Jan Eggers
Auch dieser Hecht ist erblindet und deshalb sehr dunkel gezeichnet. Bild: Jan Eggers

Ich habe diese Vorgehensweise der Guides auch auf anderen Lodges erlebt, meisten gingen die Hechte hier aber mit, als Futter für die Schlittenhunde. Glücklicherweise hat sich hier inzwischen auch Catch & Release durchgesetzt und die Hechte werden humaner behandelt.

Hechte können auch durch andere Ursachen erblinden. Ich habe viele Fische gefangen, bei denen die Augen dick verpilzt waren. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ab wann ein Hecht komplett erblindet ist. Es gibt auch Hechte mit seltsam grün leuchtenden Augen. Der große Hecht, den Frank van Fliet und Hans Koopman vor einiger Zeit gefangen haben, ist ein gutes Beispiel dafür. Diese Hechte mit den grünen Augen sind aber nicht schwarz gefärbt und auch sonst in guter Kondition. Deshalb möchte ich nur richtig blinde Hechte vorstellen und dazu zählt auch der längste Hecht, den ich in den Niederlanden je gefangen habe.
 

 

Bild: Jan Eggers
Blind, schwarz gefärbt und ziemlich abgemagert. Bild: Jan Eggers

Gefangen habe ich ihn in unmittelbarer Nähe des Sees Weerwater bei Almere auf eine 25-Zentimeter-Grandma. Dieser magere Hecht mit großem Kopf war 122 Zentimeter lang und nicht schön. Er war aber ein Beweis dafür, dass diese blinden Hechte mit ihrem Seitenliniensystem Beutefische und Kunstköder lokalisieren können. Genug mit den schwarzen Exemplaren, kommen wir zur Farbe Weiß.

 

 

Bild: Jan Eggers
Der weiße Hecht aus Akersloot. Bild: Jan Eggers

Albino-Hechte sind selten

In den vergangenen 30 Jahren ist mir kein einziges Foto eines vollkommen weißen Hechtes untergekommen, deshalb muss ich mir hier mit einem Schwarz-Weiß-Bild eines Albinos aushelfen. Nachdem ich einige Nachforschungen angestellt habe, erfuhr ich, dass er am Rand von Akersloot gefangen wurde. Irgendwo in meinem riesigen Hecht-Archiv – ich weiß nur nicht genau wo – habe ich noch einen Zeitungsbericht über diesen ungewöhnlichen Fang. Deshalb weiß ich auch, dass dieser Esox nicht getötet, sondern ans Aquarium des Artis-Zoos in Amsterdam übergeben wurde, wo er zu einer Sehenswürdigkeit wurde.

 

 

Bild: Jan Eggers
Roel Voorbij mit einem ziemlich ungewöhnlich gefärbten Hecht aus Kolhorn in den Niederlanden. Bild: Jan Eggers

Ich habe mir vorgenommen, in der Schonzeit mein Archiv einmal gründlich durchzuschauen, um mir dann allerlei interessante Hecht-Geschichten beiseite zu legen. Tja, und wenn Interesse besteht, dann kann ich beispielsweise aus meinem Material über Schummel-Hechte und andere Betrügereien zum Thema Länge und Gewicht – vor allem Hechte, die nach dem Tod noch weiter wachsen – weitere Artikel anfertigen. So werden sich sicher einige Fragen über niederländische und ausländische Rekordhechte beantworten, und auch über das Alter und die Wachstumsgeschwindigkeit von Hechten in Europa. Ich glaube, es ist eine gute Sache, dass ich so mein Gehirn fit halte.

 

 

Bild: Jan Eggers
Der grüne Hecht von Eddy te Mebel. Bild: Jan Eggers

Ich möchte es einmal so sagen: Ich freue mich wirklich, wenn Reaktionen in Form von neuen Fotos und weiteren Informationen als kleines Dankeschön per Mail von den Lesern zurückbekomme. Vielleicht haben Leser auch selbst Ideen für neue Themen zu einer Serie, ich denke da beispielsweise an gute Hechtgewässer im Ausland, habe ich doch in 19 Ländern auf Esox gefischt.

 
Auch eine Serie über die Veränderungen in der Hechtangelei in den vergangenen Jahrhunderten wäre denkbar. Ich glaube aber, dass ich bestimmt noch drei Teile in dieser Serie gut mit Inhalt gefüllt bekomme.
 

 

Bild: Jan Eggers
Die Augen mancher Hechte haben seltsame grüne Flecken. Sind sie deshalb blind? Bild: Jan Eggers

Ich habe vielleicht kein Foto von einem echten Albino-Hecht mehr, dafür habe ich aber eines von einem richtig weißen Musky. Ich habe es von Jim Lindner, früher fester Fotograf beim In-Fisherman. Er fing diesen aparten Musky im Mississippi bei Minneapolis.

Ich habe eben alle Dias mit ungewöhnlichen Hechten noch einmal durchgesehen und habe noch einen Hecht mit ungewöhnlich weißer Färbung gefunden, den ich noch nicht eingescannt hatte. Mein Gedächtnis verrät mir, dass Roel Voorbij, er wohnte damals in Bovenkarspel, jetzt lebt er in Südafrika, diesen ungewöhnlichen Hecht in der Nähe von Kolhorn gefangen hatte. Dass er farblich stark abweicht, ist eindeutig. Aber ob er wirklich in die Kategorie der weißen Hechte passt, ist ein Grenzfall.
 

 

Bild: Jan Eggers
Auch dieser Hecht hat den „grünen Star“. Bild: Jan Eggers

Grünes Maul und grüne Augen

Der erste Hecht mit einem auffallend grünen Maul stammt aus der Achterhoek, dem Osten von Gelderland. Mein guter Freund Eddy te Mebel hat es mir geschickt. Auch in diesem Fall habe ich keine flaue Ahnung, welche Ursache hinter dieser Farbveränderung steckt. Kürzlich erhielt ich, als E-Mail auf diese Serie, noch ein Foto eines Hechtes mit grünem Maul. Diese ungewöhnliche Färbung fällt einem natürlich gleich auf, wenn man so ein Exemplar abhakt.
 

 

Bild: Jan Eggers
Ein zweifarbiger Hecht – vorne hell und hinten dunkel. Bild: Jan Eggers

Ich entdeckte auch noch zwei Bilder von Hechten, die einen grünen Fleck im Auge hatten. Auf einem der Dias stand: blind? Je länger ich mir diese Hechte anschaue, umso mehr grübele ich darüber nach, ob diese Fische blind oder nicht blind sind. Vielleicht sollte ich mal wieder Kontakt aufnehmen mit Dr. John Casselman in Toronto und ihn nach seiner Meinung fragen.

Ich sehe gerade, dass ich dieses Mal mehr Text als Fotos habe, das kann aber noch schnell ändern. Ich habe nämlich so einige Fotos von zweifarbigen Hechten. Bei diesen Hechten ist meistens ein Viertel des Körpers deutlich heller gefärbt. Bevor ich es bei unserem Freund Esox gesehen habe, war dieses Phänomen vor allem bei Brassen bekannt. Man hat da in England sogar einen Namen dafür: two tone bream. Wahrscheinlich kommt es bei Brassen häufiger vor als bei Hechten.
 

 

Bild: Jan Eggers
Auch bei diesem Hecht sind einzelne Körperpartien heller gefärbt. Bild: Jan Eggers

Wenn ich mir aber die Masse zweifarbiger Hechte in meinem Archiv anschaue, dann kann ich nur schlussfolgernd, dass dieses Phänomen häufiger vorkommt, als die meisten Hechtangler vermuten. Das war es für diesmal! Mit Hechtgrüßen,

Jan Eggers
 
 

 

Bild: Jan Eggers
Jimmy Lindner mit einem weiß-gelben Musky aus dem Mississippi.Bild: Jan Eggers
 

 

Bild: Jan Eggers
Hecht mit grünem Maul. Bild: Jan Eggers
 

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