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Ist Schleppen was für Deppen?

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Rute raus, Motor an – und die Hechte hängen sich von selbst am Köder auf! Thomas Kalweit hat sich mit Hecht-Spezi Uwe Pinnau über das Thema Schleppangeln unterhalten.

 

Uwe Pinnau
Auf dem Messestand des Deutschen Hechtangler-Clubs beantwortete der DHC-Präsiden Uwe Pinnau Fragen zum Thema Schleppfischen.
Thomas Kalweit:  Hallo, Uwe! Besten Dank, dass Du auf der diesjährigen Messe „Jagd & Hund“ ein paar Minuten Zeit für mich hast. Wir sitzen hier auf dem Messestand des Deutschen Hechtangler-Clubs. Ihr habt Euch diesmal dem Thema Schleppangeln angenommen, das Sauerland mit den großen Talsperren ist ja nicht weit entfernt. Manche sagen: Schleppen ist nur für Deppen! Angeln für Doofe sozusagen, man setzt sich in Boot, startet den Motor und die Hechte haken sich von selbst. Wie ist Deine Meinung dazu?
 
Uwe Pinnau:  Ich würde sagen, Angler, die nicht schleppen, sind die Deppen!  Schleppangeln ist eine unheimlich effektive Methode. Man kann so gleichzeitig mit zwei Ruten fischen und verschiedene Köder, Farben und Angeltiefen ausprobieren. Nur beim Schleppen halten sich die Köder die ganze Zeit in der Fangzone, der gewählten Lauftiefe auf. Man kann so viel größere Flächen abackern. Gerade auf großen Freiwasserflächen ist man dumm, wenn man nicht schleppt.
 

 

Schleppboot
Hecht-Spezi Uwe Pinnau bevorzugt beim Schleppfischen weiche Glasruten. Bei diesen „gutmütigen“ Rutenmodellen schlitzen nicht so viele Fische im Drill aus.
TK: Zum Thema Schleppgeschwindigkeit. Schleppst Du eher monoton und gleichmäßig oder variierst Du ständig die Geschwindigkeit? Manche schleppen ja sogar zickzack, damit ein Wobbler immer langsam hochtaumelt, während der andere an Fahrt zulegt.
 
UP: Auf Flüssen schleppe ich eher gleichmäßig beide Uferkanten ab. Grundsätzlich schleppe ich im Sommer schneller als im Winter. In der kalten Jahreszeit kann es kaum langsam genug sein. Im Sommer schleppen meiner Meinung nach viele Angler zu langsam. Oft merkt man, wenn man etwas an Tempo zulegt, dass es dann mehr Bisse gibt, weil die Wobbler besser laufen und die Raubfische in der warmen Jahreszeit schnellere Köder einfach lieber mögen.
 
TK: Du schleppst jetzt keinen Zickzack-Kurs und drehst alle drei Sekunden am Gashebel des Motors?
 
UP: Ich schleppe eher gleichmäßig und mache keine großen Kapriolen. Von permanenten Geschwindigkeitswechseln rate ich ab.  Im Winter kann man die Köder nach ein paar Ruderschlägen immer etwas ausgleiten lassen. Es hängt auch davon ab, ob man mit Wobblern oder Gummifischen schleppt. Schleppe ich mit Gummi, dann achte ich genau aufs Echolot. Entdecke ich dort einen Fischschwarm in der Tiefe, dann fahre ich oft etwas langsamer und lasse den Gummifisch in den Schwarm sacken. Man muss den Köder ja in die Fangzone bringen!
 

 

Schleppköder
Schleppköder hinter Glas: Auf der Messe „Jagd & Hund“ hatte der Deutsche Hechtangler-Club seinen Stand unter das Motto „Schleppangeln“ gestellt.
TK: Eine weitere Glaubensfrage beim Schleppfischen: Weiche oder harte Rute? Die einen bevorzugen eine harte Rute, damit sich der Fisch beim Biss besser selbst anschlägt und, damit sie besser kontrollieren können, ob sich der Köder Kraut eingefangen hat.
 
UP: Ich verwende beim Schleppangeln sehr gerne altmodische Glasruten. Die haben zwar den Nachteil, dass sie die Vibrationen des Köders nicht so gut übertragen wie brettharte Kohlefaserruten. Glas ist aber im Drill sehr gutmütig. Gerade in der Endphase des Drills, kurz vor der Handlandung, ist es gut eine Glasrute zu haben, die ist sehr geschmeidig und puffert jede Flucht und auch Sprünge ab. In Zeiten von chemisch geschärften Drillingen und, wenn man die Rollenbremse gut geschlossen hat, dann hängen die Fische sowieso von alleine. Da braucht man keinen Anhieb mit einer brettharten Rute zu setzen. Oft ist das sogar kontraproduktiv. Bei fest zugedrehter Bremse, dehnungsfreier Geflochtener und einer harten Rute schlitzen zu viele Fische wieder aus. Deswegen ist eine Glasrute beim Schleppen eine gute Sache.
 
TK: Das Problem, die Fische auch zu haken, kennen vor allem Schleppfischer, die mit dem Ruderboot unterwegs sind. Oft ist der Motor ja verboten. Gerade, wenn man gegen den Wind paddeln muss, haken sich viele Fische nicht, weil die Schleppgeschwindigkeit einfach nicht ausreicht. Hast Du da Tipps für unsere Leser?
 
UP: Schleppt man gegen den Wind, dann muss die Bremse auf jeden Fall richtig zu sein! Extrem scharfe und dünndrähtige Drillinge sind auch von Vorteil. Gegen den Wind paddele ich oft mit aller Kraft, ohne Köder im Wasser, denn große Wobbler bremsen das Boot noch zusätzlich. Geschleppt wird dann nur mit dem Wind.
 

 

Uwe Pinnau
Schleppangler auf großen Talsperren bevorzugen oft große Köder? Uwe Pinnau weiß warum!
TK: Wie stehst Du zu zusätzlichem Schnickschnack wie Downrigger, Sideplaner oder Paravan? Oder bist Du eher der puristische Schlepper, der ausschließlich einen Köder ins Stahlvorfach einhängt?
 
UP: Wenn es sich vermeiden lässt, dann ist es einfacher und komfortabler, nur den Köder hinten rauszuhängen. Aber die genannten Zusatzgeräte haben durchaus ihre Daseinsberechtigung und auch Vorteile. Ein Sideplaner sorgt dafür, dass der Köder weit weg vom Boot läuft. Durch den Schwimmereffekt des Sideplaners lassen sich sonst tieftauchende Wobbler in höheren Wasserschichten anbieten. Problemlos lässt sich so ein Tieftaucher in nur zwei Metern Tiefe präsentieren. Ein ganz entscheidender Effekt! Wenn man im Sommer auf Seeforellen fischen will, dann kommt man um einen Downrigger nicht herum. Auch beim Barschangeln in tiefen Talsperren kann man durch einen vorgeschalteten Dipsy-Diver plötzlich flach laufende Miniwobbler in der Tiefe anbieten. Es ist manchmal ein bisschen fummelig, diese Hilfsmittel sind aber durchaus nette Sachen.
 
TK: Neuerdings werden die Schleppangelköder immer größer. Offenbar gibt es einen Trend zu Riesenködern. Kann man einen guten Hecht nicht auch mit einem 12-cm-Wobbler fangen? Muss es unbedingt eine 30 Zentimeter lange Gummiforelle hinter dem Boot sein?
 
UP: Die alte Weisheit „großer Köder = großer Hecht“ habe ich noch nie unterschreiben können. Mein größter Fisch war 120 Zentimeter lang – er hat auf einen 12-cm-Wobbler gebissen! Mit zu großen Ködern angelt man oft an vielen Hechten vorbei, die vielleicht auf einen kleinen Köder eingestiegen wären. Der Grund für den Einsatz von Riesenködern ist ja folgender: In glasklaren Großgewässern wird so ein Lappen von den Hechten auf große Entfernung wahrgenommen werden. Oft wirken große Köder auch natürlicher als kleine, zappelige Wobbler. Ich entscheide mich oft für eine gesunde mittlere Ködergröße und variiere immer mal wieder größenmäßig nach oben und nach unten. Wir mit zwei Leuten und vier Ruten geschleppt, dann fischen wir zwei mittlere und einen großen und einen kleinen Köder.
 

 

Uwe Pinnau
Schleppen kann man nicht nur mit Wobblern: Gerade beim Rudern mit langsamer Geschwindigkeit schlägt die große Stunde der Gummiköder.
TK: Eine Frage zum Schluss: Du bist seit langen Jahren Präsident des Deutschen Hechtangler-Clubs. Wie viele Meterhechte muss man gefangen haben, um Mitglied werden zu können?
 
UP: So viele, wie man Haare auf dem Kopf hat! Nein, Spaß beiseite – dann dürften einige von uns gar kein Mitglied mehr sein. Im Prinzip muss man überhaupt keinen Hecht gefangen haben. Wir haben Mitglieder, die vorher ambitionierte Karpfenangler waren. Die wollten durch die Mitgliedschaft in einen neuen Angelbereich hineinschnuppern. Solche Angler haben keine Lust, erst lange Jahre Lehrgeld zu bezahlen. Die Fangen dann sozusagen mit dem DHC ihren ersten Hecht. Bei uns muss man keine Heldentaten vollbracht haben, um Mitglied zu werden.
 
TK: Wie viele Mitglieder hat der DHC im Moment und wie kann man beitreten?
 
UP: Wir haben momentan knapp 450 Mitglieder. Jeder kann Mitglied werden, der sich mit den Clubzielen einverstanden erklärt und die nachhaltige Schonung der Hechtbestände unterstützt. Wer sich damit anfreunden kann, kann für 25 Euro im Jahr über unsere Webseite www.deutscherhechtangler-club.de beitreten. Als Gegenleistung bekommt er zwei Club-Magazine pro Jahr und Kontakt zu erfahrenen Hecht-Spezis aus allen Teilen Deutschlands.
 

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