Matzes Hechtposen-Kunde

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Matzes Lieblingsposen: Mit einer Handvoll Modelle kommt er locker aus.
Matzes Lieblingsposen: Mit einer Handvoll Modelle kommt er locker aus.

Posen gibt es ohne Ende – da kann man schnell den Überblick verlieren. Welche Modelle zum Hechtangeln taugen, erklärt Matze Koch.

Voller Spannung blicke ich auf die Holzbohle am Rand der Brücke. Direkt davor ist meine schlanke Inline-Hechtpose positioniert. Sie liegt flach auf dem Wasser und verursacht zunächst nur einige Wellenringe. Dann wippt sie ein wenig nach, richtet sich auf und taucht einmal kurz ab. Langsam zieht sie jetzt in die Gewässermitte, um dann zügig abzutauchen. Zeit für den Anhieb. Nach kurzem, aber sprungreichem Drill liegt ein schöner 80er Hecht auf meiner Matte. Alles nur Zufall? Sicher nicht! Hier passte alles: Platzwahl, Köder, Tageszeit und auch die Pose. Denn mit dem richtigen Schwimmkörper ist es möglich, Bisse sicher zu verwandeln. Worauf es bei der Auswahl der Pose ankommt, möchte ich im Folgenden kurz darstellen.

Die Hechtpose legt sich, zuckt und taucht dann ab. Sichere Anzeichen für einen Biss.
Die Hechtpose legt sich, zuckt und taucht dann ab. Sichere Anzeichen für einen Biss.

Wie schwer soll‘s sein?

Die Tragkraft ist der wichtigste Faktor bei der Wahl einer Pose. Bei jedem Ansitz muss der Angler einen Kompromiss finden zwischen sicherem Ausbringen, Verankern des Köders und dem Wunsch, dem Fisch möglichst wenig Widerstand entgegensetzen zu wollen. Dabei muss man für die unterschiedlichen Räuber gewappnet sein, denn Zander beißen zum Beispiel sehr viel vorsichtiger als Hechte. Als Faustregel für die meisten Gewässer gilt:

– Hecht: 15 bis 25 g
– Zander: 5 bis 15 g
– Barsch: 5 bis 10 g
– Aal: 4 bis 12 g

Ausnahmen bestätigen die Regel: Eine massive Segelpose für die Hechtangelei kann zum Beispiel auch schnell mal 35 g Tragkraft haben, und mit Matchrutenwagglern von 2 g habe ich auch schon sehr erfolgreich auf Aal angesessen. Doch dem sind Grenzen gesetzt.

Welche Form?

Meine Favoriten sind ganz klar Laufposen, weil man damit am flexibelsten ist. Das heißt, die Tiefe in der unser Köder locken soll, wird mit einem Stopper eingestellt. Als Hechtangler komme ich problemlos mit den folgenden fünf Schwimmertypen aus.

1. Meine am häufigsten verwendete und liebste Hechtpose ist ein schlichtes Inline-Modell. Das Besondere daran: Die Schnur wird innen durch die Pose geführt (daher der Name), und sie fällt sehr schlank aus. Der Durchmesser ist bei 15, 20 und 25 g Tragkraft in etwa der gleiche, sie unterscheiden sich nur in der Länge. Schlanke Posen setzen dem Fisch nur wenig Widerstand entgegen, lassen sich bestens werfen und ermöglichen eine sehr sensible Bissanzeige.

Posen mit geknickter Schnurführung eignen sich für den Ansitz und für das Schleppen gleichermaßen.

2. Das zweite wichtige Modell ist fast kugelförmig. Es sieht aus wie Opas Korkproppen, den ich auch heute noch sehr gerne einsetze. Diese kompakten Modelle haben den Schwerpunkt oberhalb der Wasseroberfläche und bieten dem Hecht viel Widerstand. Diesen Nachteil machen sie aber mit ihrer Eigenschaft wett, auf der Wasseroberfläche zu hüpfen. Ab Windstärke 3 lohnt sich ihr Einsatz, weil die Wellen einem treibenden Köderfisch dann Leben einhauchen. Auch wenn ich extrem flache Bereiche von weniger diese kugelförmigen Schwimmer, weil ein Hecht das 15 cm lange Inline-Modell durchaus schon gut erkennen könnte.

Die alten Korkmodelle macht Matze mit einem eingeklebten Röhrchen ebenfalls zur Laufpose. Das ist besonders preisgünstig. Im Einzelfall kann man sie blitzschnell zur feststehenden Pose umfunktionieren, indem man die Schnur einfach mit dem mitgelieferten Kunststoffstab im Röhrchen festsetzt. So bleibt man flexibel.
Die alten Korkmodelle macht Matze mit einem eingeklebten Röhrchen ebenfalls zur Laufpose. Das ist besonders preisgünstig. Im Einzelfall kann man sie blitzschnell zur feststehenden Pose umfunktionieren, indem man die Schnur einfach mit dem mitgelieferten Kunststoffstab im Röhrchen festsetzt. So bleibt man flexibel.

3. Der dritte Schwimmer ist ein Spezialmodell zum Schleppen mit geknickter Schnurführung. Der Knick, der sich in der Schnurführung der Pose befindet, sorgt dafür, dass sie unter Zug nicht verrutscht. Laufposen mit herkömmlicher, gerader Schnurführung würden die konstante Tiefe des Köders beim Schleppen nicht gewährleisten. Sobald Zug auf die Montage kommt, arbeitet sich der Köder aus der Tiefe Stück für Stück nach oben, bis er in Vorfachlänge unter der Pose dümpelt. Sobald hingegen die Schnur mit der Schlepppose gestrafft ist, klemmt diese gewissermaßen fest, und der Köder bleibt, wo er ist.

4. Die Segelpose ist ein Spezialmodell, mit dem man auf Hechtsuche gehen kann. Sie hat eine recht hohe Tragkraft, weil der Köderfisch schwebend angeboten wird. Dessen Gewicht muss sie zusätzlich zur Bleibeschwerung verkraften. Ich setze sie nicht nur bei Rückenwind ein, um Bereiche außerhalb der Wurfweite zu befischen, sondern auch unter Brücken. Das funktioniert sogar bei Windstille, denn unter Brücken herrscht immer ein wenig Zugluft. Aber auch parallel zum Ufer kann man durchaus gut Strecke machen mit dem Segelmodell.

5. Meine fünfte Sorte ist ein vorgebleiter Schwimmer. Ich setze ihn ein, wenn ich möglichst wenig Blei in Köderfischnähe haben will, zum Beispiel, weil man es mit heiklen Bissen zu tun hat. Der treibende Köder sinkt so besonders natürlich ab. Auch für extrem flache Bereiche ist diese Pose sinnvoll. Ich setze sie allerdings nur selten ein.

Bunt oder transparent?

Ich begnüge mich mit einer sehr spartanischen Farbauswahl. Eine rote oder orangefarbene und eine schwarze Pose genügen, um für fast alle Lichtverhältnisse gewappnet zu sein. Perfekt ist es, wenn man zweifarbige Modelle in Orange/Schwarz auftreiben kann oder selber zum Beispiel mit einem schwarzen Ring verschönert, dann kann man sie als Allroundschwimmer einsetzen. Orange sieht man bei fast allen Lichtverhältnissen gleich gut, Schwarz verwendet man bei Gegenlicht, denn der hohe Kontrast macht es auch bei diesen ungünstigen Verhältnissen gut sichtbar. Moderne Posen sind meist unten durchsichtig gefärbt.

Hier lässt Matze die Segelposen abtreiben – und sucht so die Hechte.

Damit  die rote Farbe der Spitze keine Scheuchwirkung ausübt, sind sie innen weiß. Ob das wirklich eine Auswirkung hat, lasse ich mal offen. Taucher jedenfalls berichten, dass man auch durchsichtige Körper an der Wasseroberfläche prima erkennen kann. Vielleicht wirkt der Korkproppen sogar ein Stück natürlicher, denn treibende Blätter oder Äste ähneln ihm doch sehr und werden keinen Hecht misstrauisch machen.

Wie viel Blei muss dran?

Wie genau man eine Pose ausbleit, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Je weniger Widerstand, desto besser, soviel ist bekannt. Ich lasse meist nur zwei Zentimeter aus dem Wasser schauen. Wenn es mir jetzt gelingt, die Position des Stoppers so zu wählen, dass die Pose am anvisierten Platz etwas mehr, nämlich etwa vier Zentimeter aus dem Wasser schaut, ist die Ablage lehrbuchmäßig gelungen. Vorausgesetzt, ich will den Köderfisch am Grund anbieten. Bei ruhigem Wetter kann es auch schon mal vorkommen, dass ich die Pose leicht über die Gewässertiefe einstelle, und sie flach auf dem Wasser liegt. So sieht man entstehende Ringe eines vorsichtig beißenden Hechtes nämlich ideal.

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