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Der Hechtpapst öffnet sein Archiv, Teil 12

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Haben Sie schon einmal von zweifarbigen Hechten gehört? Jan Eggers hat für uns in seinem riesigen Fotoarchiv gestöbert und ist auf ein rätselhaftes Phänomen gestoßen.

 

Bild: Jan Eggers
Dieser ziemlich ramponierte Two-Tone-Hecht ließ sich immer wieder an einer Stelle bei Almere fangen. Bild: Jan Eggers

Zweifarbige Hechte überall

Wenn man mich fragen würde, welche Abnormitäten bei Hechten am häufigsten vorkommen, dann würde ich auf Grundlage meiner Erfahrung und meiner Archivbilder folgende Kategorien aufstellen: Hechte mit Moppsköpfen und zweifarbige “two tone”-Hechte. Bei Letzteren ist ein Teil des Körpers viel heller gefärbt, und oft nicht nur ein kleiner Teil, meistens ist ein Viertel des Fisches deutlich heller. Meiner Erinnerung nach befindet sich der abweichend gefärbte Teil immer am vorderen Teil des Hechtkörpers, ich bin mir aber nicht ganz sicher, deshalb schaue ich mir gerade die Fotos noch einmal genau an. Meine Einschätzung bestätigt sich nach der Durchsicht von ungefähr 40 Bildern: Es ist immer die linke oder rechte vordere Körperseite. Besonders auffallend ist, dass der hellere Teil sich immer an einer Seite des Kopfes bis hin zur Mitte des Körpers erstreckt.

 

 

Bild: Jan Eggers
Auf diesem Bild ist der Farbunterschied besonders deutlich zu sehen. Bild: Jan Eggers

Vage Theorien

Um etwas über die Ursache dieser Farbabweichungen zu erfahren, habe ich tief in meine Biologie-Bücher über unseren Freund Hecht geschaut. Ein Blick auf meine Uhr hat mir gezeigt, dass ich fast 100 Minuten meiner freien Zeit schmökernd mit verschiedenen Büchern verbracht habe. Gefunden habe ich niente, nix, Null-Komma-Null, nicht einmal einen Hinweis. Im Anschluss hatte ich eine geniale Eingebung: Ich tippte die Wörter “two tone pike” und “zweifarbiger Hecht” in Google ein. Zu meiner großen Überraschung stieß ich gleich auf einen Link zu meiner eigenen Serie auf Raubfisch.de, in der ich im zweiten Teil die Wörter zweifarbiger Hecht verwendet hatte. Zusätzlich fand ich verschiedene Fotos von schönen Two-Tone-Hechten, darunter verschiedene Meterfische. Diese Fotos zeigen, dass solche Hechte offenbar nicht selten sind. Aber eine Ursache dieser Farbabweichung konnte ich nicht finden.

 

 

Bild: Jan Eggers
Auch Hoon Boots konnte den Two-Tone-Hecht aus Almere fangen. Man erkennt den gebrochenen Kiemendeckel, der Grund für den schlechten Zustand des Fisches. Bild: Jan Eggers
Deshalb schaute ich auch unter “two tone bream” nach, denn bei Brassen kommt dieses Phänomen auch häufig vor. Auch in diesem Fall entdeckte ich Fotos von in der Regel sehr großen zweifarbigen Brassen.
 
In einem Forum las ich, dass sich die Brassen im Winter halb im Schlamm eingraben und so Winterschlaf halten. Angeblich soll so die Farbveränderung entstehen. Ein anderer Angler gab den Stress durch den Drill und die Hälterung im Setzkescher als Ursache an. 
 

 

Bild: Jan Eggers
Ein Nest? Auch dieser Hecht aus dem Fotoarchiv von Henk Simonsz wurde bei Almere gefangen. Bild: Jan Eggers
Diese Information deckt sich etwas mit der Erklärung eines irischen Anglers, der Pigmentverlust durch einen Schock dafür verantwortlich macht. Die schönste Erklärung aber kommt von jemandem, der das Älterwerden als Grund angibt. Er vergleicht die Farbveränderung mit dem Ergrauen und der Glatzköpfigkeit beim Menschen.
 
Tja, was mache ich jetzt mit all diesen Theorien? Es fällt wohl auf, dass die Zweifarbigkeit bei Hechten und Brassen vor allem bei älteren Exemplaren vorkommt, so etwa bei Meterhechten und Brassen von über 10 Pfund. Ich habe Vergleichbares noch nicht bei jungen Exemplaren gesehen.
 

 

Bild: Jan Eggers
Seltsamerweise ist bei den Two-Tone-Hechten oft eine vordere Körperseite heller gefärbt. Bild: Jan Eggers
Zu guter Letzt habe ich noch gehört, dass diese Färbung durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall entstehen soll. Wie beim Menschen werden dadurch bestimmte Körperfunktionen beeinträchtigt.
 
Aber wenn man dann sieht, dass diese zweifarbigen Hechte im Drill hervorragend kämpfen und in prima Kondition sind, dann kann man nicht an Fische glauben, die eigentlich ins Pflegeheim gehören. Ehrlich gesagt, ich hoffe, dass ich durch diesen Artikel bessere Antworten auf meine Frage bekomme.
 

 

Bild: Jan Eggers
Auch dieser zweifarbige Hechte aus dem Archiv von Henk Simonsz ging bei Almere an einen Köder. Bild: Jan Eggers

Dumm oder hungrig?

Vor einigen Jahre schleppte ich mit Patrick van de Wijgerd in den Grachten von Almere. Just, als wir auf den See Weerwater fahren wollten, bekam Pat einen Biss. Während des wenig spektakulären Drills sahen wir, dass ein zweifarbiger Hecht am Haken hing.

 
Er entlockte meinem Angelkollegen folgende Bemerkung: “Da habe ich den blöden Hecht schon wieder.” Patrick war sich sicher, dass er diesen zweifarbigen Esox an genau dieser Stelle schon einmal gefangen hatte. Auch seinem Angelkollegen Hoon Boots war das schon einmal passiert.
 

 

Bild: Jan Eggers
Der größte Two-Tone-Hecht aus dem Archiv von Jan Eggers. Sein Angelkollege Patrick mit einem zweifarbigen Esox von 115 Zentimetern Länge. Bild: Jan Eggers
Ich war kurze Zeit nach diesem Angeltag auf Besuch bei Henk Simonsz und erzählte ihm von diesem dummen Hecht. “Er oder sie ist noch viel dümmer”, sagte Henk. Er zeigte mir in seinem digitalen Archiv noch weitere Fotos von zweifarbigen Hechten, die in unmittelbarer Umgebung gefangen worden waren.
 
Es ging mir die Idee nicht aus dem Kopf, dass es sich um ein “Nest” dieser Zweifarbigen handeln müsse, lebten doch einer oder womöglich zwei dieser Exemplare an mehr oder minder derselben Stelle.
 
 

 

Bild: Jan Eggers
Kann ein Schlaganfall die Ursache für die abweichende Färbung sein? Bild: Jan Eggers

Der genannte Hecht war in schlechter Kondition, vor allem am hinteren Körper hatte er viele Verletzungen, zusätzlich war er sehr mager. Ich glaube nicht, dass die Zweifarbigkeit dafür die Ursache war. Man musste kein Biologe sein, um das wirkliche Problem zu entdecken: Dieser Hecht hatte einen gebrochenen Kiemenbogen, der auf dem Foto auch unter dem Kiemendeckel herausragt. Wir haben den Hecht trotzdem wieder zurückgesetzt, man kennt ja meinen Standpunkt: Das soll die Natur selbst regeln. Ich habe keine Fangmeldung von diesem Hecht mehr erhalten. Ich vermute, dass er inzwischen in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist.

 

 

Bild: Jan Eggers
Alex Feller mit dem kleinsten zweifarbigen Hecht aus dem Eggers-Archiv. Am Kopf ist ganz schwach eine heller Färbung zu erkennen. Bild: Jan Eggers

Färbung nicht immer deutlich

Bei der Suche nach passenden Fotos fiel mir auf, dass die Abgrenzung zwischen heller und dunkler Färbung bei einigen Hechten viel schärfer ist, als bei anderen. Ob der Kontrast mit der Größe des Hechtes stärker wird, vermag ich nicht zu sagen.

Beim kleinsten Two-Tone-Hecht, von dem ich ein Foto habe, gefangen von meinen Hechtanglerkumpel Alex Feller aus Bovenkarspel, sind beide Farbbereiche nicht stark voneinander abgegrenzt. Auf einem Foto, auf dem der Kopf des Hechtes sich unter Wasser befindet, fällt der Farbunterschied deutlicher auf.
 

 

Bild: Jan Eggers
Nur auf den ersten Blick ein Two-Tone-Hecht. Jan Eggers zug diesen Esox aus dem Schlund eines größeren Hechtes. Bild: Jan Eggers
Patrick van de Wijgerd konnte bereits verschiedene zweifarbige Hechte fangen. Vom Größten, 115 Zentimeter lang, habe ich ein Foto. Ich kann auch noch ein Foto zeigen von einem Hecht, dessen Vorderteil beinahe weiß ist. Einen Moment lang dachte ich, dass ich da ein ganz besonderes Exemplar gefunden habe. Schnell erinnerte ich mich aber, dass ich diesen Hecht aus dem Schlund eines größeren Artgenossen gezogen hatte. Durch die starke Magensäure war die Haut bereits angegriffen. Jetzt bin ich neugierig auf Fotos und Informationen der Leser!
 
Jan Eggers
 
 
 

 

Bild: Jan Eggers
Auch in Kanada gibt es Two-Tone-Hechte. Bild: Jan Eggers
 

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