Fangen mit XXL-Gummifischen

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Frontal genommen: Für den großen Hecht ist der 23er Gummifisch lediglich eine Vorspeise.
Frontal genommen: Für den großen Hecht ist der 23er Gummifisch lediglich eine Vorspeise.

Wie groß dürfen Kunstköder sein, bevor die Räuber vor Schreck Reißaus nehmen?

Von BIRGER DOMEYER

Jetzt willst du aber einen Hecht fangen“, entgegnet mir mein Vater, als ich einen 16 Zentimeter langen Gummifisch in den Karabiner hänge. Eigentlich steht heute Zanderangeln auf dem Plan. Aber die sonst üblichen, fingerlangen Köder haben noch keinen Biss gebracht. Also warum nicht mal einen ordentlichen Happen anbieten? Bereits beim zweiten Wurf erfolgt ein Biss, ein knapp 50er Zander hat den großen Gummifisch komplett inhaliert.

Fischen wir zu oft zu kleine Köder? Ich meine ja, vor allem, wenn es um Zander geht. Aber der Reihe nach, denn die verschiedenen Raubfischarten reagieren unterschiedlich auf die Ködergröße.

Gefaltet und eingetütet: Dieser 50er Zander hat den 25 Zentimeter langen No-Aktion- Shad ohne Probleme inhaliert.
Gefaltet und eingetütet: Dieser 50er Zander hat den 25 Zentimeter langen No-Aktion- Shad ohne Probleme inhaliert.

Hecht

Meister Esox ist wohl der gierigste Vertreter aller heimischen Raubfische. Es gibt keinen Kunstköder, der zu groß ist und nicht attackiert wird. Auf einen 23 Zentimeter langen Gummi kann man ohne Probleme untermaßige Exemplare fangen, der 40 Zentimeter große Riesenwurm ist mittlerweile ein etablierter Köder in den Rügener Boddengewässern. Aber dem nicht genug: Oft habe ich es erlebt, dass mittelgroße Hechte im Drill von kapitalen Artgenossen attackiert wurden. Das imposanteste Beispiel erlebte ich bei meinem Kumpel Markus. Ein mittlerer Hecht nahm seinen Barschgummifisch, im Drill dann plötzlich totaler Stillstand. Die Bremse surrt langsam, aber bestimmend. Ein wahres Hechtmonster hat den hilflosen Artgenossen geschluckt und schwimmt in die Tiefe.

Nach langem Hin und Her wird es dem Kapitalen zu bunt, er spuckt den „kleinen Artgenossen“ schließlich kurz vorm Ufer aus. Dieser maß immerhin noch 72 Zentimeter!

Barsche sind zwar sehr futterneidisch, aber große Köder bringen nicht mehr. 10 bis 12 Zentimeter sind ideal.

Barsch

Die Hauptbeute der gestreiften Räuber besteht aus recht kleinen Fischchen. Trotzdem überkommt so manchen Barsch die Gier, und die Hechtköder werden gnadenlos attackiert. Gezielt würde ich für Barsch, auch für die kapitalen Exemplare, jedoch keine großen Köder empfehlen. Wichtiger ist der richtige Platz, an dem sich auch Kapitale aufhalten. Hat man diese gefunden, sind Köder in schlanken Designs und in 10 bis 12 Zentimetern Länge optimal. Eine Ausnahme stellen zum Beispiel die Bodden-Barsche dar. Sie ernähren sich teilweise von Heringen und reagieren deshalb sehr gut auf recht große Köder. Ich habe schon so manchen 16er Kopyto im Barschmaul verschwinden sehen. Kleine Gummifische bringen in diesem Fall tatsächlich weniger Bisse.

Er hat zwar das größte Maul, reagiert aber trotzdem am besten auf mittelgroße Köder: der Waller.

Wels

Dem gewaltigsten unserer heimischen Räuber wird oft eine unendliche Fresslust unterstellt. Karpfen, Dackel, Kleinkinder – was nicht alles auf dem Speiseplan des Urians stehen soll. Dabei nimmt er im Verhältnis zur Körpergröße deutlich weniger Nahrung auf als etwa der Hecht. Meine Erfahrungen beim Kunstköderangeln sind ebenfalls eindeutig: riesige Gummilatschen und schuhlöffelgroße Blinker erweisen sich sehr häufig als der totale Flop. Die meisten Bisse gibt es auf gerademal handlange, bis maximal 15 Zentimeter große Gummifische.

Auch die kapitalen Waller über zwei Meter Länge gehen rigioros an diese mittleren Köder heran. Erstaunlicherweise gehört der nur acht Zentimeter lange Effzett-Blinker mit zu den besten Welsködern überhaupt. Trotz der großen Klappe scheint das bevorzugte Beutespektrum des Welses also im mittleren Größenbereich zu liegen.

Schlanke, große No-Aktion-Shads sind manchmal eine Bank für große Zander, und das nicht nur im Herbst und Winter.
Schlanke, große No-Aktion-Shads sind manchmal eine Bank für große Zander, und das nicht nur im Herbst und Winter.

Zander

Kommen wir zum eingangs erwähnten Stachelritter. Dieser Gierschlund ist irgendwann einmal in den Verruf gekommen, nur auf fingerlange Köderfische zu beißen. Für mich völlig unverständlich, denn der Zander gehört nach dem Hecht zum kompromisslosesten Räuber unserer Flüsse. Bedenkenlos inhaliert er deftige Happen. Und das ganzjährig, auch in der  Brutfischzeit! Der 15 Zentimeter lange Sea Shad von Bass Assassin gehört mittlerweile zu meinen Standard-Gummifischen, auf den ich nicht nur maßige Exemplare fange. Wichtig bei der Köderwahl ist nur, dass man zu einer relativ schlanken Silhouette greift. Der 25 Zentimeter lange Fin-S ist ein gutes Beispiel. Selbst 30er Zander versuchen sich an dem länglichen No-Action-Shad. Über zähes Angeln und wenig Bisse muss man sich selbst bei diesem Köderformat nicht ärgern.

Lediglich zu voluminöse Gummis scheinen eine abschreckende Wirkung auf Zander zu haben. Zwar attackieren sie diese noch recht halbherzig, aber mehr als ein Fehlbiss wird selten daraus. Ein 23er Xtra-Soft Gummifisch ist wahrlich keine Fangmaschine, dafür eine Alternative, wenn man wirklich ausschließlich große Zander fangen möchte.

Und seien wir mal ehrlich: Jeder möchte gerne mal einen kapitalen Zander fangen. Das bessere Gefühl bei so einer Mission gibt mir jedenfalls ein handfester Köder, nicht so ein fingerlanges Gummifischchen, das bereits ab vier Meter Wassertiefe kaum noch zu sehen ist.

Kein Einzelfall: Ein kleiner Zander stürzt sich auf einen großen Shad.
Kein Einzelfall: Ein kleiner Zander stürzt sich auf einen großen Shad.

Extra-Tipp

Damit der Großködereinsatz nicht zum Fehlbisskommando wird, muss mit Zusatzdrillingen gefischt werden. Generell sollte man versuchen, mit so wenig Haken wie möglich auszukommen. Ab 15 Zentimeter Köderlänge fische ich mit einem Zusatzdrilling, ab 23 Zentimeter mit zwei Drillingen. Ich versuche immer, die Drillinge oben oder seitlich am Köder anzubringen. Das gibt zum einen weniger Hänger, aber vor allem hakt man so weniger Fische in den empfindlichen Kiemenbögen.

Ein recht kurzer Jighaken (maximal Größe 4/0) hält den Köder sicher fest und verletzt den Fisch weniger, als ein 10/0er Modell, dass sich durch den ganzen Schädel eines kleinen Hechtes bohrt. Grundsätzlich fassen kleine Haken besser und verletzen die Fische weniger.

DIESE DREI GROSSGUMMIS MÜSSEN MIT!

1. 23ER XTRA SOFT VON SHAD XPERTS
Dieser Köder gehört mittlerweile zum Pflichtprogramm für jeden Hechtangler. Die weiche, aber dennoch widerstandfähige Gummi-Mischung und der massive Schwanzteller verleihen ihm ein sensationelles Köderspiel. Durch die schlanke Form eignet er sich aber nicht nur zum Hechtangeln. Auch Zander packen hier gerne zu, jedoch nur große Stachelritter ab 70 Zentimeter. Kleine Exemplare lassen eher die Finger von diesem Köder.
MONTAGE: Jighaken 6/0 bis 10/0 plus zwei Zusatzdrillinge Größe 1/0.
BEZUG: www.fachversand-stollenwerk.de (Stand 2011)

2. 10“ FIN-S VON LUNKER CITY
Der 25 Zentimeter lange No-Action-Shad hat mir schon so manche Angeltage gerettet und ist einer meiner Favoriten zum Zanderangeln. Die schlanke Form entfaltet vor allem an leichten Jigköpfen ein tolles Spiel. Auch kleine Zander machen vor diesem Köder nicht halt, über eine fehlende Bissfrequenz muss sich niemand beschweren. Im Juni und im Winter ein Top-Köder. Achtung: Auch Hechte fassen gern zu, Stahl nicht vergessen!
MONTAGE: Jighaken 4/0 mit ein bis zwei Zusatzdrillingen Größe 2.
BEZUG: www.camo-tackle.de (Stand 2011)

3. HAIRY MARY IN 20 ZENTIMETERN VON QUANTUM
Gummis mit Fransen sind an manchen Angeltagen unschlagbar. Was die Zander daran mögen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Leider gibt es diese Köder in der Regel nur in recht kleinen Ausführungen. Der neue Hairy Mary ist mit 20 Zentimetern genau der richtige Happen für Zander, wobei auch der ein oder andere Großbarsch zufasst.
Wichtig: Beim Aufziehen mit einem Tropfen Sekundenkleber am Jigkopf fixieren.
MONTAGE: Jighaken 4/0 mit einem Zusatzdrilling Größe 2.
INFO: www.zebco-europe.com (Stand 2011)

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