Mit Pauken und Trompeten

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Um kapitale Zander zu fangen, braucht es nicht nur Glück. – sondern auch eine ausgeklügelte Fischtechnik und Geräuschwobblern. Unsere RAUBFISCH-Autoren landeten 2 Riesen von 12,5 und 14 Kilo!

Von Dietmar Isaiasch Carmen Klein

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Carmens Zander fiel auf einen grauen Loudmoth Wobbler herein.

Freitag, der 31. März 2000. Ein diesiger Tag mit leichtem Nieselregen und mäßigem Südwestwind. Wir haben uns den Mittag frei genommen, um den letzten Tag der Raubfischsaison doch noch am Wasser verbringen zu können. Tatort: ein großer, tiefer Baggersee mit Verbindung zur Maas.

Das Wasser hat etwas mehr als 9 Grad – es ist wärmer geworden. Endlich scheint Leben in die Bude zu kommen, denn wir sehen kaum noch Echos auf 10 m. Eine Angeltiefe, in der wir noch am vergangenen Wochenende ein gutes Dutzend mittlerer Zander mit dem Gummifisch überlisten konnten. Die Kammschupper, die schon seit Wochen in großer Tiefe dicht gedrängt und fast regungslos am Gewässerboden lagen, werden langsam aktiv. Erst zieht’s die Halbstarken ins Flache, dann folgen die dicken Brummer.

Augen auf!

Der Wettlauf um die begehrten Standplätze beginnt. Für uns Angler heißt das: Augen auf und suchen. Denn die Fische „liegen“ nun verstreut. Doch bevor auch wir uns entschließen flacher zu fischen und mit der Suche beginnen, probieren wir es noch einmal mit den Weichködern im Tiefen. Eine Stunde vergeht, und wir sehen nicht einen Schwanz.

Also Taktik ändern: Statt der Gummi-Jigs werden nun Wobbler montiert. Jetzt orientieren auch wir uns am Verlauf der Abbruchkanten und folgen ihr Stück für Stück in flachere Gefilde – dabei stets das Echolot im Auge. Auf 4 m schließlich erscheinen die ersten vereinzelten Symbole auf dem Bildschirm. Schwer zu sagen, was es ist. Es könnten Karpfen sein – oder eben die begehrten Zander. Egal, was es ist, es ist groß!

Reizende Überdosis

Carmen entschließt sich für einen grauen Loudmouth Wobbler von Mann’s. Ich packe das gleiche Modell – nur in Grün. Der Trick bei der ganzen Sache: Wir fischen absichtlich tiefer. So ein Loudmouth z.B. taucht etwa 4,5 m tief. Unterm Kiel sind aber bloß 4 m Wasser. Was passiert? Der Wobbler wird mit seiner Tauchlippe regelmäßig auf den Boden hämmern. Zudem sorgen die vielen Geräuschkugeln im Bauch für die nötige Überdosis Reizwellen im Wasser, die die misstrauischen Räuber garantiert aggressiv machen.

Eine Technik, die viel Disziplin und Konzentration bei der Köderführung erfordert, aber uns schon häufig gute Resultate beschert hat. Voller Vertrauen landen beide Wobbler gegen 14 Uhr zum ersten Mal mit ihren Tauchschaufeln auf hartem Kiesboden. Der Elektromotor steuert unser Boot lautlos entlang der ersten Kante, als Carmen schon nach einigen hundert Metern einen schweren Schlag in der Rute spürt. Ein kräftiges Stampfen und Kopfschütteln, und der Fisch ist weg. Ausgeschlitzt, das war Pech! Ein kurzer Check und es geht weiter.

Adrenalin-Stöße

Eine gute Stunde verstreicht, als nach etlichen Stößen der Tauchlippe am Grund ein knallharter Anbiss mir fast die Rute aus der Hand reißt. Der Anhieb sitzt. Es folgen einige rasante Fluchten, doch schließlich bleibe ich Sieger – und halte ein fast meterlanges und 14 Kilo schweres Monster im Arm. Rasch ein paar Fotos, und dann nichts wie zurück mit der „Zander-Oma“.

Kaum sind wir wieder auf Kurs und der Schreck noch nicht ganz vorbei, gibt’s einen erneuten Adrenalin-Stoß. Diesmal für Carmen – und sie lässt dem Angreifer keine Chance. Der Haken sitzt gut! Nach ein paar Minuten zeigt auch der zweite Riese „weiß“. Fast eine Kopie des ersten, allerdings 3 Pfund leichter. Wenig später geht uns noch ein 8-Pfünder ins Netz, dann ist der Tag gelaufen.

Wieder im Hafen angekommen, treffen wir noch 6 andere Angler, die ebenfalls mit ihren Booten unterwegs waren. Sie alle haben zusammen nicht einen Biss gehabt. Kein Wunder, denn sie fischten viel zu tief und mit ihren Ködern auch nicht aggressiv genug. Manchmal muss man eben laut zu Werke gehen: quasi „mit Pauken und Trompeten“.Foto: Verfasser

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