So wurde ich zum Faulenzer

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Jörg Strehlows Technik gilt als die derzeit beste Zandermethode. Hier berichtet der Erfinder persönlich, wie sie entstand, wie sie funktioniert und warum sie dermaßen gut fängt.

 

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Faulenzer unter sich: Jörg Strehlow (r.) und sein Kollege Sebastian Hänel setzen beim Fischen auf Polbrillen.
Es begann wohl in Holland. Zusammen mit dem Zanderspezialisten Henk Simonsz fischte ich in den trüben Tiefen des Rheindeltas. Wir fingen sehr gut. Vielleicht zehn Fische pro Stunde, vielleicht auch 15. So wichtig erschien uns das Zählen der herrlichen Zander nicht – es lief wie verrückt, was wollten wir mehr? Damals, kurz vor der Jahrtausendwende, war es auch gar nichts Besonderes, wenn man in Holland zum Vertikalangeln rausfuhr und ziemlich viele Zander fing.
 
Daran hat sich bis heute ja auch noch nicht wirklich viel geändert. Allerdings ließ mir schon damals, während meines Besuchs in Henks Boot, eine Frage keine Ruhe: Warum fangen die Bootsangler so erheblich viele Zander mehr als wir Uferangler? Diese Frage war für mich umso bedeutender, da meine Vorliebe immer das Angeln vom Ufer aus gewesen ist. Und sie wurde für mich zu einer echten Aufgabe, als sich herausstellte, dass wir Zander vertikal vom Boot aus an denselben Plätzen fingen, die wir eigentlich auch vom Ufer aus erreichten.
 

 

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Gewusst wie: Oberfaulenzer Jörg konnte bisher mehr als 7.000 Zander fangen, davon 31 Exemplare zwischen 90 und 100 Zentimetern

Der Vergleich

Auch ein genauerer Vergleich der klassischen „Hardware“ brachte noch keine Antwort: Die harten Ruten zum Verwerten vorsichtiger Zanderbisse, bei denen die Räuber den herab taumelnden Köder einfach einschlürfen, die hatte ich auch vom Ufer aus im Einsatz – wenn auch logischerweise nicht in kurzen Bootslängen, sondern eher in 2,70 Metern. Straff waren die aber genauso und hatten ordentlich Kraft beim Anhieb. Dünne Geflechtschnüre mit einem 0,10er bis 0,15er Durchmesser waren auch auf meiner Rolle, und somit waren wir auch hier mit gleichen Waffen am Start.
 
Eine sehr wertvolle Erkenntnis reifte bei genauerer Betrachtung der Einheit aus Rute und Rolle erst später in meinem Kopf: Da setzten die Vertikalangler schon immer auf eine perfekte Balance in der Hand und eine Verlängerung des Unterarms durch die Rute. Auch ein niedriges Gewicht der gesamten Geräte-Einheit gilt als wertvoller Bestandteil einer optimalen Ausrüstung zum Vertikalangeln. Wir Uferangler waren hingegen immer eher auf große Wurfweiten aus und weniger auf die perfekte Verlängerung des eigenen Arms. Spannend wurde für mich der Vergleich zwischen Henks Ködern und deren Montage sowie seiner Vorfächer und dem Material, das ich den Zandern bisher beim Spinnfischen vorgesetzt hatte: Zum einen fischte der holländische Raubfischprofi mit Vorfächern aus Fluorocarbon. Davon hatte ich gehört, denn die Fliegenfischer waren schon länger vom Vorteil der geringen Sichtigkeit dieses Materials unter Wasser überzeugt. Beim Zanderangeln hingegen verwendete es zu diesem Zeitpunkt, gute zwölf Jahre zurück, noch kein Mensch – außer eben die holländischen Kreativangler.
 

 

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Schlanke Gummifische sind das Herzstück der Faulenzermethode.
Das musste ich auch im Hamburger Hafen ausprobieren! Ebenso wie diese merkwürdigen Gummifische, die sich größtenteils dadurch auszeichneten, dass sie „nicht liefen“. Zugegeben, mit dem Einsatz dieser Köder vom Ufer aus hatte ich die größte Hemmschwelle zu überwinden, denn auch ich dachte damals noch, ein Gummiköder müsse sich winden wie ein Aal auf Entzug, wenn man ihn durchs Wasser zieht. Doch genau im Einsatz dieser damals noch klassischen Vertikalköder sollte ein wertvoller Baustein zur Entstehung meiner Faulenzermethode verborgen liegen.
 
Ein echtes Klicken im Gehirn vernahm ich allerdings erst, als ich die „faulen“ Köder im Zusammenspiel mit der Köderführung sah, die Henk praktizierte und auch mir auftrug: Ablassen bis auf den Grund, anheben, festhalten! Vielleicht einmal einen leichten, fünf Zentimeter hohen Sprung mit der Rutenspitze vortragen – doch dann gleich wieder sachte abwärts und erneut in der Schwebe halten.
 
Sollte der Trick tatsächlich darin liegen, dass Zander gar nicht auf das Bewegungsmuster stehen, das wir Spinnfischer unseren Ködern seit Generationen einhauchten? Sollte das klassische Versetzen der Köder in „Bewegung“ womöglich genau der Fehler sein, den Zanderangler seit Jahr und Tag, auch unter Anleitung von Fachpresse und Gummi-Experten machten? Hmmm, mir stand eine spannende Experimentierphase an den Ufern des Hamburger Hafens und der Elbe bevor.
 

 

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Dank der Faulenzertechnik drillen auch Anfänger schnell und oft. Buhnen gehören zu den besten Stellen im Fluss.

Das Testrevier

Zurück im Hamburger Hafen hatte ich am ersten Angeltag nach meinem Besuch zum Vertikalangeln in Holland zum einen die ungebändigte Lust auf Innovation im Gepäck. Zum anderen aber auch jede Menge Köder, die alle Gummifischangler – und da machte auch ich keine echte Ausnahme – zuvor im Angelgeschäft mit dem Spruch bedacht hätten: „Lass‘ hängen, die laufen eh nicht!“ Damals noch mittels eines Wirbeltönnchens angeknotet, wie ich es von meinem Lehrmeister gelernt hatte, baumelte ein 0,35er Vorfach aus Fluorocarbon an meinem gelben Geflecht.
 
1993 hatte ich den Zanderreichtum des Hamburger Hafens entdeckt und in den ersten Jahren gut und gerne 3.000 Zander aus den Tiefen unter der Köhlbrandbrücke und vor den Landungsbrücken gezogen. Das Revier im Herzen der Weltstadt entsprach damals in etwa der anglerischen Qualität, die man heute von Ebro, Rheindelta oder dem rumänischen Sarulesti-Stausee kennt. Einziger Unterschied: Meine Kumpels Michael, Jörn und ich waren quasi alleine mit Gummiködern dort unterwegs. Was für ein Privileg!
 

 

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Auch dieser Zander biss in einem Buhnenfeld auf Gummi. Natürlich faulenzte auch seine Verführerin.
Der gewaltige Bestand an Zandern sorgte natürlich dafür, dass wir uns Mitte und Ende der 90er Jahre um filigrane Techniken zur Köderführung oder möglichst unauffällige Montagen noch nicht sonderlich bemühten. Es waren gewissermaßen die Jahre der Zander-Schwemme in Hamburg, und wir schauten uns ratlos an, wenn wir tatsächlich einmal einen Tag erlebten, an dem wir keine zehn Zander pro Nase fingen.
 
Auch ich war damals ein „Jigger“, also ein Köderheber und Ködersenker, der dieses erfolgreiche Köderspiel für Zander mittels Bewegungen seiner Rutenspitze erzielte. Was auch sonst, schließlich hatten es uns die Pioniere des Gummifischangelns in Deutschland, als die ich damals die Jungs von „Profi-Blinker“ wahrgenommen hatte, in ihren Beiträgen und Filmchen vorgetragen. Es folgte eine Zeit, in der viele weitere Angler die weiche Welle in der Öffentlichkeit ritten, jedoch ohne große Kreativität im Hinterfragen dieser grundlegenden Art der Köderführung. Köder aus Weichplastik wurden gejiggt – einmal mit etwas mehr Kreativität, ein anderes Mal mit weniger Variationsreichtum.
 
Einer dieser Wellenreiter war ich. Auch ich war der Illusion erlegen, dass sich beim Spinnfischen auch durch den Siegeszug von Twistern und anderem Gummigetier nicht wirklich viel am ursprünglichen „Blinkern-Gehen“ geändert hatte: Der Köder musste durch die Attraktivität und besonderen Variationsreichtum bei der Köderführung einen Raubfisch zum Biss verlocken. Einziger Unterschied zu Blinker, Wobbler und Spinner: Der Bleikopf musste mehrfach den Grund berühren, bei jedem einzelnen Wurf! Warum hätte ich angesichts der großartigen Fänge im Hamburger Hafen und in der Tide-Elbe auch an dieser Strategie zweifeln sollen? Mit dem gelben Doppelschwanz-Twister am roten Rundkopf und ordentlichen Rutenhieben, fast wie früher beim Dorschangeln auf der Ostsee, waren tolle Erfolge zu erzielen – Futterneid und Überpopulation machten es möglich.
 

 

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No-Action-Shads haben sich vom Verlegenheits- zum besten Zanderköder gemausert. Ihr Markenzeichen: der feine Gabelschwanz.

Das Ergebnis

Zur Jahrtausendwende war es allerdings schwieriger geworden mit den Zandern. Eine immer größere Öffentlichkeit wurde auf den Hamburger Raum als Zander-Eldorado aufmerksam, und auch die Berufsfischer gaben mächtig Stulle! Die weiche Welle schien bei uns an der legendären „Zanderkant“ auszulaufen, zu verebben. Der Köderfisch trat wieder mehr und mehr ins Bewusstsein der Zanderangler und brachte schöne Erfolge. Und auch mit amerikanischen Methoden wurde bereits experimentiert und somit das Zanderangeln erfolgreich verkompliziert.
 
In exakt dieser Phase der allgemeinen Verunsicherung stand ich nun mit den neuen Erkenntnissen aus meinem Hollandbesuch an der hohen Spundwand eines Hafenkanals, der heute Herzstück der neuen Hafencity ist. An meiner Angel baumelte eines dieser leblosen und vergleichsweise harten Gummistücke, die man ohne Weiteres auch zum Jerken auf Hechte hätte verwenden können. Die Farben dieser Köder waren ebenfalls unspektakulär, wie eben auch die Natur meistens auftritt: bescheiden und einfach! Wie Sie sicher erwartet haben, biss es bei diesem ersten und allen weiteren Versuchen sehr gut, und dieFänge steigerten sich dank Fluorocarbon und aktionsarmer Köder um ein gutes Drittel – was für ein Erfolg!
 

 

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Als ich mich 2001 mit meiner Angelschule selbstständig machte, kam mir zur rechten Zeit und in kleinen Schritten die beste Idee, die ich bis zum heutigen Tag in anglerischer Hinsicht hatte: Die zukünftigen Besucher meiner Angelkurse sollten möglichst schnell erfolgreich mit dem Gummiköder auf Zander angeln können. Hier stand mir, nachdem ich inzwischen sicher war, die richtige Köder-Philosophie gefunden zu haben, die umständliche und unproduktive Köderführung im Wege, die sich hinter dem weit gefassten Begriff des „Jiggens“ verbarg: Das ständige Heben und Senken der Rutenspitze lenkte die Aufmerksamkeit vom wesentlichen Moment des Gummifischangelns ab – von dem kurzen Augenblick nämlich, in dem der Köder zum Boden sinkt, unmittelbar nachdem man ihn angejiggt hat.
 
Umständliche Anleitungen und verschiedenste akrobatische Rutenbewegungen verschlechterten die Perspektive zusätzlich, den Besuchern meiner Angelkurse und Guidingtouren innerhalb eines oder zwei Schulungstagen das nötige Rüstzeug zu vermitteln, ohne sie vollends zu verwirren und die Biss-Erkennung weiter zu erschweren. Eine neue Art der Führung eines Gummifischs musste also her!
 

 

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Petri Heil zu diesem prächtigen Zander. Fische ab 80 Zentimeter gelten als kapital.

Die Weiterentwicklung

Dabei halfen mir erneut die Erkenntnisse aus den beiden Angeltagen im Boot mit Henk Simonsz – und nun sollte die wichtigste Komponente daraus endlich in die Tat umgesetzt werden: Die faule Art, den Köder zu führen! Die Technik also, die nach meiner festen Überzeugung den Unterschied machte zwischen mäßigen Fängen vom Ufer aus und herausragenden Fängen vom Boot aus – und dies im ein und demselben Revier!
 
Leider waren vom Ufer aus die Möglichkeiten zunächst begrenzt. Von hohen Spundwänden aus hatte ich inzwischen schon sehr erfolgreich das Vertikalangeln umgesetzt, das war auch ziemlich einfach vom Bootsangeln auf die Uferangelei zu übertragen. Doch wie sollte ich den Köder auf große Distanz mit möglichst minimaler Aktion führen, dabei aber den wichtigen Klopfreiz am Grund erzeugen?
 
Ich experimentierte und erinnerte mich an eine Technik, die einst als „Schleifmethode“ in Erscheinung getreten war. Dabei wurde der Köder mittels einer Seitwärtsbewegung mit der Rute ein Stück weit über den Boden gezogen, ohne ihn hierbei jedoch zu verlassen. Dies wollte ich nun mit ruhig gehaltener Rute erreichen und machte daher nur zwei sanfte Kurbelumdrehungen mit meiner Rolle.
 
Das Potenzial, das in der gerade gehaltenen Rute und in der Köderführung alleine über die Rolle steckte, wurde mir nun nach und nach bewusst: eine hundertprozentige Kontrolle bei minimaler Köderaktion. Bald begann ich, die Geschwindigkeit beim Ankurbeln des Gummis im Ruhezustand am Boden deutlich zu erhöhen. Solange, bis ich ihn quasi mit ein bis drei zügigen Rollenschlägen jiggte – ohne jedoch im Anschluss die Aufmerksamkeit auf die fängige Absinkphase des Köders durch eine unnötige Abwärtsbewegung der Rute zu verlieren.
 
Weiterhin variierte ich den Anstellwinkel der Rute, was neben einer abwechslungsreichen Kurbelfrequenz schon bald für eine außerordentlich vielseitige Köderführung sorgte. Ohne den Köder dabei jedoch ständig aus dem Gesichtsfeld des Zanders heraus zu katapultieren oder allzu lebhaft zu präsentieren. Diese, bisher nicht für möglich gehaltene hundertprozentige Köderkontrolle beim Absinken des Gummifischs in Einheit mit einer pfeilschnellen Rutenspitze, gelber Schnur als „Bissanzeiger“ und Ködern ohne Eigenaktion sorgte für eine sprunghafte Verbesserung der Fangergebnisse. Ich selbst stellte schon bald ebenfalls das klassische Jiggen ein, wenn ich privat am Wasser unterwegs war. Erfahrene Zanderangler ersetzen ebenso die herkömmliche Angeltechnik durch das Faulenzen, nachdem sie eines meiner Seminare oder eine Guidingtour besucht hatten. Einsteiger ins Zanderfischen bekamen mit der Faulenzermethode ein Handwerkszeug geliefert, das ihnen auf Anhieb die gleichen Möglichkeiten vermittelte, wie sie ein Angler hatte, der die Technik schon längere Zeit praktizierte. Heute dürfte die Faulenzermethode die am weitesten verbreitete Technik zum Spinnfischen auf Zander sein. War man ursprünglich noch der Meinung, dass die Methode nur aufgrund des Beuteverhaltens der Stinte im Hamburger Raum und lediglich für Angelanfänger sowie zum Fang kleinerer Zander geeignet wäre, haben sich all diese Einschätzungen schon kurze Zeit später in Luft aufgelöst: Mit der defensiven Art der Köderführung und mit Gummifischen ohne Aktion bissen nach der erfolgreichen Einführung am Rheinstrom und an der Elbe außerhalb des Tidenbereichs mehr kapitale Zander als jemals zuvor! Der Beifang von Hechten, die nicht selten kapitalste Größen in den jeweiligen Angelrevieren erreichten, dokumentierten ebenfalls, wie verführerisch diese Technik insbesondere auf die großen Raubfische wirkt. Was ja auch aufgrund der eher trägen Ausrichtung eines kapitalen Zanders oder Hechtes nicht sonderlich verblüffen dürfte.
 

Kontakt

Wenn Sie das Faulenzen erlernen möchten, buchen Sie eine Guidung-Tour oder ein Seminar mit Jörg. Infos: Jörg Strehlow,  www.der-angler.de, Tel. 0170/ 9036028, E-Mail: joergstrehlow @t-online.de.

 


 

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Typische Rutenhaltung beim Faulenzen. Der Köder wird ausschließlich über die Rolle bewegt.

Drehzahl zum Faulenzen

Verunsicherung herrscht oft über die richtige Anzahl an Drehungen mit der Rollenkurbel, um den Köder vom Boden abzuheben. Immer noch sind einige Angler der Ansicht, dass der Köder nur am Grund schleifen würde, wenn man faulenzt. Überlegen Sie jedoch einmal, dass eine moderne Stationärrolle mit einer einzigen Kurbelumdrehung satte 65 bis 85 Zentimeter Schnur einholt! Damit haben Sie bereits mit einer schnellen Kurbelumdrehung den Köder ein gutes Stück vom Grund abgehoben, wenn die Wassertiefe ausreichend ist (tiefer als 1,50 Meter). In flacheren Gewässern oder bei starker auflaufender Strömung können bis zu drei oder sogar vier Kurbelschläge ideal sein. Mein Tipp bei schlechtem Beißverhalten: Eine hohe Frequenz an kurzen Sprüngen, die Sie am besten mit sehr schnellen, halben Kurbelschlägen erzielen. Alles im Griff haben Sie mit folgender Handhaltung: Den kleinen Finger platzieren Sie hinter dem Rollenfuß, die restlichen Finger davor. Nun legen Sie entweder den Zeigefinger oder den Daumen lang am Rutengriff nach vorne an. Über den ausgestreckten Finger drücken Sie das Griffende fest an den Unterarm. Dies sorgt zum einen für einen sehr schnellen Hebel beim Anhieb durch ein einfaches Aufrichten des Unterarms, zum anderen entlasten Sie aber auch Ihr Handgelenk, indem Sie es versteifen.

Faulenzers Farben

Sie glauben auch, dass Sie verschiedenste Farben und Köderformen benötigen, um stets auf alle Situationen am Gewässer vorbereitet zu sein und zu fangen? Dann möchte ich Ihnen etwas ans Herz legen: Sollte der Zander tatsächlich darauf warten, dass sich das Rotauge in seinem Gewässer violett, braun oder grün verfärbt, bevor er es frisst, dann wäre er schon längst verhungert! Nicht nur bei den Köderfarben, auch bei der Form des Bleikopfes komme ich nach 25 Jahren Zanderfischen und zehn Jahren Faulenzen zu der Erkenntnis: Völlig wurscht, da sich der Köder am Rund-, Schlitten- oder Football-Jig gleichermaßen filigran führen und kontrollieren lässt.
 

Kleine Helfer für Faulenzer

Ein wichtiges Detail zum Faulenzen ist eine Polarisationsbrille, die den Sichtkontaktzur Schnur erleichtert und eine Ermüdung des Auges verzögert. Auch ein starker Karabiner ohne Wirbeltönnchen ist wertvoll, denn er schont den Knoten und gestaltet diesen beweglich. Verwenden Sie am besten gelbe Schnüre, alternativ geht auch Weiß ganz gut. Die besten Erfahrungen habe ich mit der 0,11er Powerline von GigaFish und mit der 0,15er Power Pro von Shimano gemacht. Bitte auch immer eine Mini- Tube (ein Gramm, trocknet nicht so schnell aus!) flüssigen Sekundenkleber zum Ankleben der Köder am Bleikopf mitführen.
 

Die Zander-Fangformel

Ich gebe es gerne zu: Der Tag, an dem ich endgültig sicher war, dass ich nicht mit Köderfarben oder sonstigen Effekten aus dem Angelladen meine Zanderfänge verbessern kann, war nicht unbedingt ein leichter Tag. Doch die Erkenntnis hat mir sehr dabei geholfen, dass ich heute so viele Zander und, vor allem, so viele Großzander auf die Schuppen legen konnte. Und zwar habe ich einfach begriffen, dass man einen Zander niemals zu einem Aggressionsbiss reizen kann und man seine Fressphasen geduldig abwarten muss – am besten, indem man seinen potenziellen Standplatz über mehrere Stunden befischt.
Ach ja, so machen das die Angler beim Ansitzangeln mit Köderfischen übrigens auch – und die fangen bekanntlich nicht die kleinsten Fische
 

 

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Etwas Übung ist nötig, um auch mit erhobener Rute einen Anhieb zu setzen.

Extra-Tipp

Häufig wird die Frage gestellt, wie man beim Faulenzen mit steil angestellter Rute noch einen Anhieb setzen kann! Die steile Rute ist im Nahbereich, wenn wir zum Beispiel auf eine hängerreiche Steinpackung zu fischen, eine tolle Methode, um Hänger zu verhindern und nachlaufende Zander auf den letzten Metern noch zu erbeuten. Mit einer raschen Aufwärtsbewegung des Arms sowie drei bis vier schnellen Kurbelumdrehungen bekommen Sie im Nahbereich vor Ihren Füßen immer genug Druck auf den Haken, um einen Fehlbiss
zu vermeiden.
 
(Bilder: Jörg Strehlow)
 


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