Böttchers bissige Barsche

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Was hat der Mann nicht schon alles mit der Feeder-Rute gefangen! Nach Butt und Dorsch muß bei Uwe Böttcher nun der Barsch dran glauben.

Von Frank Brodrecht

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Zack, und sitzt! Nur keine Panik, Jungs, ist eh’ nur wieder so ein Klappflieger.“ Auch wenn Sekunden später tatsächlich nur ein „Klappflieger“ – in Uwes Sprachgebrauch ein handlanger, halbstarker Barsch – auf den Bootsplanken zappelt: Mit der Ruhe ist es bei Henning und mir schon längst vorbei. Da hat unser Gastgeber Uwe schon den dritten Barsch auf die Schuppen gelegt, darunter ein durchaus ansehnliches Exemplar – und wir gucken noch immer in die Röhre. Lassen Pilker und Twister über den Gewässergrund des Ratzeburger Sees hüpfen, dass es eigentlich eine wahre Freude und für die Jungs da unten ein gefundenes Fressen sein müsste. Vergebens.

Jetzt, Anfang April, sind die Barsche träge und lassen Köder, die vor Energie nur so strotzen, beleidigt links liegen. Kein Wunder bei 5 Grad Wassertemperatur. Da können wir rödeln, soviel wir wollen.

„Bleibt in Bewegung, Jungs!“

Uwe hingegen lehnt sich genüsslich zurück, verstaut die Hände in den Hosentaschen und beobachtet die Spitzen seiner Feeder-Ruten, die quer über dem Boot liegen. „Bleibt in Bewegung, Jungs. Schön pilken, das gibt dem Boot und meinen Ruten die Bewegung, die ich brauche. Was glaubt ihr, wie die Maden da unten direkt über Grund bei dem Geschaukel zucken.“ Sehr lustig, Uwe. Da werden wir durch unser hektisches Treiben doch tatsächlich zum Garanten für seinen Erfolg. Und schon wieder müssen wir mit ansehen, wie die Spitze von einer der Feeder-Gerten, die mit den Wellen und unseren Bewegungen sanft auf und ab wippen, aus dem Takt kommt. Ein leichtes Zucken, dann eine Verbeugung um einige Zentimeter. Natürlich sitzt auch dieser Anhieb, und schon gesellt sich ein 250-Gramm-Barsch zu den anderen. Beeindruckend. Hört das Beißen auf, lässt der Barsch-Schreck ein paar Meter Ankerleine nach und das Boot driftet langsam ein Stückchen weiter – zu neuen Fanggründen.

Als uns Uwe vor einigen Wochen anrief und erzählte, Feedern auf Barsche sei der Hit, da waren wir schon etwas skeptisch. Wieder mal was Neues. Und – natürlich – wieder der absolute Renner. Der einzige Haken an der Geschichte wird wahrscheinlich sein, dass wir mit einem kleinen Twister genauso gut fangen, so dachten wir.

Und jetzt diese überzeugende Vorführung. Da hilft nur noch eins: Weg mit den Spinnruten und nichts wie raus mit den Feeder-Ruten, die Uwe vorsorglich für uns mitgenommen hat. Ein leichtes Birnenblei mit 8 Gramm Gewicht, Wirbel, Vorfach und Haken, einfacher geht es nicht. Maden drauf und senkrecht ab zum Grund. Nun das Blei noch eine Kurbelumdrehung über den Boden angehoben, wie wir es zuvor bei Uwe beobachtet haben – und schon stecken Henning und ich demonstrativ die Hände in die Taschen und lehnen uns genüsslich zurück. So Uwe, jetzt zeigen wir Dir, wie man Barsche feedert.

Mit Millimeter-Arbeit zum Erfolg

Doch weiterhin ruckt es nur bei unserem Gastgeber. Der muß mit den Barschen im Ratzeburger See einen Pakt gegen die Jungs vom RAUBFISCH geschlossen haben. Vergleich der Montagen: Birnenblei, Wirbel, der Haken mit dem Madenbündel – passt doch alles! Nur unser Vorfach ist länger als das vom großen Meister. Uwe: „Und genau daran liegt’s. Rechnet doch mal nach: Alle drei lassen wir die Montage zu Grund und heben sie anschließend eine Kurbelumdrehung über den Boden empor. Die Rollen haben in etwa die gleiche Übersetzung und ziehen rund 70 Zentimeter Schnur pro Kurbelumdrehung ein. Mein Vorfach ist 60 Zentimeter lang, das von euch fast einen Meter. Alles klar?“ Na klar, Uwe! Denn unsere Maden liegen unbeweglich am Boden, sein Köder hingegen tanzt 10 Zentimeter über Grund und lockt die Stachelritter. So einfach kann es sein. Also Vorfach gekürzt und abwärts mit den Maden. Und nun klappt es auch bei uns.

Das Rezept gegen Frühjahrs-Müdigkeit

Bis zum späten Nachmittag fangen wir noch eine Reihe herrlicher Frühlingsbarsche. Uwe erklärt uns nach und nach die Tricks der Methode: „Ganz ehrlich: Im Sommer steige auch ich auf die üblichen Köder um. Wenn die Barschrudel Jagd auf Kleinfische machen, dann gibt es einfach nichts fängigeres als einen Spinner oder Twister. Und streunen die Fische putzmunter in Grundnähe umher, dann kann man mit Pilkern und Zockern so richtig abzocken. Aber in der kalten Jahreszeit oder bei beißfaulen Fischen ist meine Methode unschlagbar. Ich denke, heute wird niemand außer uns auf dem Ratzeburger See einen Barsch gefangen haben.

Wichtig ist, dass der Köder eine Handbreit über Grund tanzt. Bewegung kommt automatisch in die Maden. Schließlich sitzt man nicht stocksteif im Boot. Und auch Wind und Wellen bringen eine Menge. Verstärkt werden diese Effekte durch die besondere Ablage der langen Ruten: quer über das Boot, die Spitzen gut 2 Meter über die Seite herausragend. Jedes kleinste Schwanken des Kahns lässt dann die Maden hüpfen.

Sanfte Bisse von stürmischen Rauhbeinen

Neben kleineren Fischen interessieren sich immer wieder richtige Brocken für die Naturköder. Kollegen haben schon bei Stachelrittern von gut 3 Pfund am leichten Feeder-Geschirr Blut und Wasser geschwitzt. Beim kleinsten Zucken wird angeschlagen. Oft kommen die Bisse gar nicht so deftig, wie man es beim „Rauhbein“ Barsch erwarten würde. Da senkt sich die sensible Zitterspitze nur ganz leicht oder fängt verhalten an zu wippen. Selbst große Barsche können richtig sanft sein. Am nächsten Tag allerdings rumst es dann wieder so richtig in die Rute.“

Zurück im Hafen führt Uwe uns zu einem deftigen Abschluss-Essen ins Restaurant von Fischermeister Rüdiger Jobmann direkt am Ratzeburger See. Die gebackenen Maränenfilets bringen Uwe auf eine Idee: „Diese Maränen, die kriegt man doch sicher auch mit der Feeder-Rute. Jungs, ich sag Bescheid, wenn ich weiß, wie.“ Na, wir sind gespannt.

Köder-Reigen

Ein fettes Madenbündel verfehlt nur selten seine Wirkung. Besonders bei trübem Wasser sind die leuchtend weißen Larven unschlagbar. Uwe Böttcher hat zusätzlich immer einen Vorrat an Mistwürmern im Gepäck, die für verschiedene Kreationen wie Made/Wurm oder Wurm pur herhalten müssen. Probieren kann schließlich nicht schaden. Köderfische kommen nur in den kleinsten Größen in Frage, die Stachelritter mit einem Haps schlucken können. Ansonsten gibt’s Fehlbisse.

Extra-Tipp

Zwei Ruten nebeneinander über Bord und senkrecht ab mit den Ködern- wenn das man gutgeht! Dreht das Boot ein wenig in Wind und Strömung, sind Verhedderungen programmiert. Es sei denn, man benutzt Feeder-Ruten mit unterschiedlichen Längen. Ragen die Spitzen verschieden weit versetzt über Bord, so kommen sich die Köder am anderen Ende der Schnur nur noch selten in die Quere.

Geräte-Kiste von Uwe Böttcher

Ruten: Feeder-Ruten D.A.M. Sumo Heavy Feeder in 3,60 und 3,90 m Länge.

Rollen: Mittelgroße Stationärrollen mit feiner Bremse, z. B. Quick F 440.

Schnur: Hochleistungsschnüre wie die Damyl Tectan Premium in Stärken von 0,16 – 0,18 mm.

Montage: Antitangle-Röhrchen, je nach Tiefe 6 – 10 g Birnenblei, Einzelhaken der Größe 6 – 12.Foto: Verfasser

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In Aktion: Und wieder hat sich ein Barsch das Madenbündel einverleibt und wird von Uwe Böttcher in den Kahn gehoben.
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Montage Die Mistwurm-Alternative:

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