So stimmen Sie Ihr Gerät ab!

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Boddenangeln auf Meterhechte mit der Zander-Kombo vom Baggersee? Das geht nicht! Uwe Pinnau erklärt, worauf man bei der Zusammenstellung des Geräts achten muss.

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“, besagt ein bekanntes Sprichwort. Leider stellen viele Angler diese Aussage meist ungewollt und unbewusst auf den Prüfstand. Da werden dann Riesenwobbler mit einer viel zu kleinen Rolle eingekurbelt und das Getriebe in nur einem Angeltag platt geangelt.

Oft sind es auch die Kleinteile, die nicht zu den Restkomponenten der Ausrüstung passen. Was hat schon ein Sechs-Kilo-Karabiner an einer Hechtspinnrute verloren? Schon beim zaghaften Versuch, einen Hänger zu lösen, biegt sich der Verschluss auf, und die physikalischen Belastungsspitzen bei einem Hechtsprung hätte das Teil sicher auch nicht gepackt.

Nicht nur der Zielfisch bestimmt das Gerät, oft stellt die Methode gewisse Anforderungen.
Nicht nur der Zielfisch bestimmt das Gerät, oft stellt die Methode gewisse Anforderungen.

Das soll nicht heißen, dass ich die leichte und feine Fischerei ablehne, im Gegenteil: Was gibt es Schöneres, als eine ultraleichte Barschwaid oder feines Zanderangeln mit Naturködern? Allerdings findet das dann auch nur an einer ausgewogenen und perfekt aufeinander abgestimmten Geräte-Kombination statt. Da trifft sich die leichte und feine Rute mit dem kleinen Röllchen und der exakt zu justierenden Bremse, welche mir auch die Verwendung einer sehr dünnen Schnur gestattet. Die Bremseinstellung sollte sich dabei immer an der Stärke der Einzelteile orientieren. Was bringt es zum Beispiel, sie auf eine zehn Kilo tragende Hauptschnur einzustellen, wenn das Vorfach nur die Hälfte davon packt?

Das Gerät muss 100-prozentig aufeinander abgestimmt sein. Das gilt sowohl fürs leichte Spinnfischen auf Forellen wie auch fürs schwere Spinnfischen auf Wels.
Das Gerät muss 100-prozentig aufeinander abgestimmt sein. Das gilt sowohl fürs leichte Spinnfischen auf Forellen wie auch fürs schwere Spinnfischen auf Wels.

Lieber schwerer als zu leicht

Generell ist es natürlich so, dass es immer sicherer ist, eine Spur schwerer zu fischen als zu leicht. Man kitzelt vielleicht nicht das letzte an Spaß aus der ganzen Sache heraus, aber es hat auch kein Fisch unter Abrissen zu leiden. Oft bewahrt den Angler schon ein prüfender Blick vor einer folgenschweren Dummheit. Man erkennt schnell, dass die kleine Rolle zu der  schweren Raubfischrute genauso wenig passt, wie die Bereifung eines Smarts zu einer S-Klasse. Eine gut abgestimmte Angelausrüstung ist wie ein eingespieltes Orchester, vom Haken bis zur Rute. Wechselt man ein Teil aus, muss man immer schauen, ob der Rest danach auch noch miteinander harmoniert. Denn ansonsten schwächt man die gesamte Gerätezusammenstellung.

Tauscht man zum Beispiel die monofile gegen eine geflochtene Hauptschnur beim Naturköderangeln auf Hecht und nimmt womöglich noch eine etwas härtere Rute dazu, sollte man unbedingt prüfen, ob die dünndrahtigen Haken ihrer Aufgabe unter den verschärften Bedingungen noch gewachsen sind, oder ob man diese nicht besser gegen kräftigere Modelle austauschen sollte.

Uwe mit abgeschlepptem Hecht. Lieber etwas schwerer als zu leicht fischen, lautet sein Motto.
Uwe mit abgeschlepptem Hecht. Lieber etwas schwerer als zu leicht fischen, lautet sein Motto.

Methode bestimmt Gerät

In vielen Fällen ist es nicht einmal die zu beangelnde Fischart, sondern die jeweilige Methode, die die verwendete Materialkategorie bestimmt. Beim Großhechtangeln kommt zum Beispiel ausgesprochen kräftiges Material zum Einsatz. Da sitzt schon mal eine fast 40 Kilo tragende geflochtene Hauptschnur auf der großen Multirolle, die wiederum an einer schweren Jerkbaitrute hängt. Natürlich wird das verwendete Stahl- oder Titanvorfach mit einem großen Karabiner und einem starken Tönnchen kombiniert, so dass sich der rote Harmoniefaden
konsequent durch die Ausrüstung zieht. Nur keine Schwachstellen erzeugen!

Den zu erwartenden Fisch bekäme man auch mit weniger als der Hälfte der aufgefahrenen Materialpower gut aus dem Wasser, aber es sind zum einen die riesigen Köder, die das starke Material erfordern, andererseits auch der eherne Vorsatz, den gefangenen Fisch so schnell es geht im Kescher zu haben. Wie beim Großhechtangeln geht es auch beim Schleppfischen immer etwas kräftiger zur Sache. Da man die Rute meistens nicht in der Hand hat und nicht so schnell auf Bisse reagieren kann, braucht es einer gewissen Reserve. Nicht selten kommt es auch zu Hängern, die sich mit dem schweren Material meistens lösen lassen, ohne mit dem ganzen Schlepptross wieder zurückfahren zu müssen.

Zum Naturköderangeln bevorzugt Uwe nylonummantelten Stahl, zum Spinnfischen „pures“ 7x7-Geflecht.
Zum Naturköderangeln bevorzugt Uwe nylonummantelten Stahl, zum Spinnfischen „pures“ 7x7-Geflecht.

Am Ziel vorbei

Etwas aus der Reihe tanzt die beliebte Raubfisch-Angelei in kleinen Gräben wie den Poldern in Nordholland. Dort ist es durchaus sinnig, zu einer mittleren Rute und Rolle eine überstarke Schnur und ein etwas dickeres Vorfach zu wählen. Denn allzu schnell wirft man mal auf das andere Ufer und kann eine gewisse Reserve gut gebrauchen, wenn es gilt, mit einem kräftigen Ruck ein Grasbüschel auszureißen.

Das verwendete Gerät richtet sich demnach auch immer nach dem Gewässer. Dem aktuellen Japantrend folgend, fischen zur Zeit viele modebewusste Angler mit schicken Rütchen und schnittigen Rollen auf Hecht, einen Zielfisch, den die Designer und Hersteller dieser Geräte gar nicht vor Augen hatten, als sie das Material optimierten. Sicher lässt sich mit einer auf Schwarzbarsch getrimmten Rute fast jeder hiesige Raubfisch fangen, aber gerade beim Hechtangeln fällt das eingesetzte Material vieler Angler oft zu leicht aus.

Auch hier appelliere ich für eine Gerätezusammenstellung, die einen sicheren und zügigen Drill ermöglicht. Denn was nutzt das gut gemeinte und mittlerweile recht verbreitete Zurücksetzen, wenn die Fische zuvor bis zur totalen Erschöpfung ausgedrillt wurden? Sicher kommt es immer wieder vor, dass ein Hecht am leichten Barsch-Gerät beißt und gedrillt werden muss. Aber mir geht es hier um den konkreten Vorsatz, möglichst leicht auf große Fische zu angeln und die damit verbundenen, manchmal nicht so angenehmen Konsequenzen.

Generell würde ich sagen, dass man in den meisten Fällen lieber etwas schwerer als zu leicht fischen sollte, um Fisch- und Materialverluste möglichst gering zu halten. Eine gut abgestimmte Gerätekomposition ist dabei unabdingbar, um schwierige Situationen im Drill zu meistern. Sicher kann es immer passieren, einen Fisch zu verlieren, aber bitte nicht wegen unüberlegt zusammengestellter Materialkombinationen.

Stahl für Hecht

Ich bevorzuge generell 7×7-Stahlvorfächer, blank oder ummantelt, je nach Einsatzzweck. Beim Spinnfischen ist mir Material ohne Ummantelung lieber, da diese den Durchmesser erhöht und für meist unliebsamen Auftrieb sorgt. Dabei verwende ich lieber kräftiges, vielleicht auch manchmal etwas zu kräftiges Material, befinde mich im Drill aber eigentlich immer auf  der sicheren Seite.

Beim Naturköderangeln ist mir nylonummantelter Stahl sehr lieb. Oft fischt man am Grund und hat viel Kontakt zu Muscheln und Steinen, da gleitet die Nylonoberfläche besser ab und bietet dem Stahlgeflecht zusätzlichen Schutz. Bei etwas komplizierteren Montagen vertüddelt es seltener, und ungestüme Drills von Kleinhechten übersteht es knickfrei.

Für Zusatzdrillinge bei Gummifischen oder Swimbaits ist ummantelter Stahl ebenfalls erste Wahl, zum Beispiel kräftiges 1×7-Material. Gerne nehme ich nylonummantelten Stahl mit einer Tragkraft von über 40 lb (gut 18 Kilo), nach oben hin bin ich ganz offen, je nach den Restkomponenten. Auf Titan verlasse ich mich aufgrund schlechter Erfahrungen eher selten.

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