Mit Streamer auf Hecht

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Mit dieser Ausrüstung klappt das Fliegenfischen auf Hecht garantiert. Alles über Streamer, Hecht-Fliegenrute, -rolle, -schnur und Zubehör.

Das Fliegenfischen auf Hecht ist kein Hexenwerk. Es ist von jedem Angler zu erlernen und wird jeden Angler in seinen Bann ziehen. Während ein 80er Hecht an den immer härter werdenden Spinnruten oft nur noch eingekurbelt wird, zieht er eine weiche Fliegenrute wunderbar krumm. Klarer Genussvorteil beim Streamerfischen.

Streamerrute und -rolle

Fliegenfischer verwenden im Schnitt sehr viel leichteres Gerät für die gleiche Fischart als Spinnfischer. Wer es aber auf große Hechte mit der Fliege abgesehen hat, sollte die 8er Rute lieber im Meerforellen-Schrank stehen lassen. Eine Klasse neun bis elf sollte es schon sein. Damit lassen sich die Streamer im Sofakissen-Format gut werfen und ein Meterhecht auch sicher anschlagen.

Glücklich bei der Landung: Am sensiblen Fliegengeschirr macht der Drill eines solchen Hechtes einen Riesenspaß.
Klassisch vierteilig: Zum Streamern auf Hechte kommen die Klassen neun bis elf zum Zuge.

Wichtig ist eine schnelle Ruten-Aktion, damit das Werfen auch bei Wind und Welle nicht zum Kraftakt wird. Rutentipp: G-Loomis 4-Pro X oder NRX #10 (www.alpineangler.de), Sage The Method #11 (www.rudiheger.eu). Zwar wird kein Hecht bis ins Backing flüchten, die Bremse der Fliegenrolle beansprucht er jedoch schon mit seinen kurzen Sprints. Es muss nicht unbedingt eine 10er Rollengröße sein, eine 8er genügt und ist leichter. Rollentipp: Shimano Biocraft XT Large Arbour
78 (www.angelcenter-kassel.de), Sage 2208 oder 2210 (www.rudi-heger.eu).

Fliegenschnur für Hecht

Die großen, mit Wasser vollgesogenen Kaninchenfell-Streamer verlangen nach speziellen Schnüren, die diese Schwergewichte auch bei Wind noch gut bewältigen können. Dafür muss die Schnur einen mittellangen bis kurzen Kopf besitzen, möglichst mit einem verkürzten Fronttaper. Kopflängen zwischen neun und zwölf Metern sind ideal, um die Monsterfliegen durch die Luft zu sägen. In den meisten Fällen reichen Schwimmschnüre, um den Hechtmuttis in den Pflanzengürteln nachzustellen. Geht es ins Freiwasser oder angelt man vom treibenden Boot an Scharkanten, ist ein Sinktip von Vorteil. Schnurtipp: Rio Pike Dual Tone, Rio Out-Bound Short Dual Tone (www.rudiheger.eu).

Um die kurzen Fluchten eines Hechtes zu parieren, muss man sich auf die Rollenbremse 100-prozentig verlassen können.
Ziehhh! Im Drill arbeiten die weichen Fliegenruten auf ganzer Länge. So wird jede Flucht abgefedert.

Hecht-Fliegenvorfach

In die Fliegenschnur schlauft man ein etwa zwei Meter langes und 0,40 bis 0,45 Millimeter starkes Stück Monofil oder Fluorocarbon ein. Dann folgt das kurze Vorfach, welches hechtsicher sein muss. Hier kommt nur Stahl oder Titan infrage. Durch das ständige Werfen mit dem sperrigen Streamer wird das Vorfach allerdings sehr stark belastet. Die Folge: Mehrfädiger Stahl kringelt und verknickt schnell, steifes Titan kann unter Belastung brechen.

Da liegt es nahe, es mit steifem Hardmono (ab 0,70 Millimeter) oder Fluorocabon zu probieren. Jedoch sind diese Materialien auch an der dehnbaren Flugschnur und der weichen Rute nicht 100-prozentig hechtsicher, von daher auch nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Wer nicht ständig den verkringelten mehrfädigen Stahl wechseln möchte, sollte deshalb auf traditionelles, nylonummanteltes Stahl zurückgreifen.

Hechtstreamer

Okay, es gibt tausende Modelle, aber hey: Es ist und bleibt „nur“ ein Hecht. So genau nimmt es dieser nicht unbedingt mit der Köderfarbe. Hechtfliegen sollten schon etwa 20 Zentimeter lang sein, wenn man es mit den Kapitalen ernst meint. Wichtig ist, nicht zu viel Kaninchenfell zu verwenden, das wird schnell zu schwer zum Werfen.

Ebenso sollten die Materialien nicht zu drahtig und steif sein, sonst wirken sie oft als Rachensperre und der Hecht schiebt den Streamer beim Biss vor seinem Maul her. Weiches Polarfibre und Flashfasern sind prima, große Augen und reichlich Lack gegen scharfe Zähne ebenso.

Farblich kann man sich dann austoben, es gibt kaum ein Design, das nicht fängt. Extratipp: Im leicht angetrübten Wasser unbedingt Schwarz versuchen. Streamer werden oft beherzt attackiert, ein 6/0er  Einzelhaken reicht völlig aus, Stinger sind nicht notwendig. Ködertipp: T.R. Pike chartreuse/polar bear, Super Pike Bunny, Pike Streamer Multicolor und Copper (www.rudiheger.eu).

Aus allzu viel Kaninchenfell sollten Streamer nicht bestehen. Solche Muster aus Polar- oder Flashfasern lassen sich leichter werfen.
Alternative zum größeren Schnurkorb: der so genannte Flexi Stripper.

Schnurkorb

Investieren Sie unbedingt in einen Schnurkorb. Klar, erst wird rumgenörgelt, dass es unnötig sei, für eine Plastikwanne etwa 40 Euro auszugeben. Wenn sich die Schnur aber zum 30sten Mal im Gras verwickelt, unter dem Schuh klemmt oder als Knäuel seinen Weg durch die Ringe sucht, würde man auch 150 Euro zahlen, um jetzt einen Korb benutzen zu dürfen. Eine weniger sperrige Alternative sind so genannte Flexi Stripper, die die Schnur mithilfe ihrer flexiblen Plastikstacheln zügeln.

Korbtipp: Schnurkorb Linekurv (www.rudiheger.eu), Flexistripper (www.adh-fishing.de, www.angel-domaene.de).

Fingertape

Gegen fies brennende Rillen im Strip-Finger sollte man unbedingt Tape oder einen Neopren-Überzug dabei haben. Dann wird das schnelle Einstrippen der Fliege zum Spaß, ohne dass Tränen übers Gesicht kullern müssen. Tipp: Fulling Mill Stripping Guards (www.adh-fishing.de).

Beugt brennenden Wunden am Strip-Finger vor: so genannte Finger Guards.
Markus Heine freut sich über einen kapitalen Streamer-Hecht. Polbrille und Kappe schützen den Angler bei misslungenen Würfen vor wild gewordenen Streamern.

Polarisationsbrille

Keine Träne vergießt man auch, wenn man eine Polarisationsbrille trägt. Sie lässt uns nicht nur tiefer ins Wasser schauen, weil sie die Lichtspiegelung von der Oberfläche nimmt, sondern schützt zudem unsere Augen. Denn auch dem besten Werfer können Würfe misslingen. Gut, wenn der Streamer auf dem Brillenglas und nicht im Auge landet. Um seinen Kopf vor wild gewordenen Streamern zu schützen, sollte unbedingt eine Mütze getragen werden. Brillentipp: Shimano Technium oder Speedmaster Polbrille (www.angelcenter-kassel.de).

Text & Fotos: Markus Heine, Birger Domeyer

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